Risiko-Bewusstsein anstatt WhatsApp-Phobie

Nachdem Facebook den Dienst WhatsApp gekauft hat, sind scheinbar neue Aengste geäussert worden. Diverse alternativen Messenger haben sich stärker verbreitet. Wie soll man damit umgehen?

Was hat sich geändert? Nichts.
Klar, nach dem Kauf von WhatsApp hat nun Facebook unsere Telefonnummer. Doch wenn wir ehrlich sind, wussten wir bereits mit der Installation von WhatsApp, dass da unsere Telefonnummer zentral auf einem Server gespeichert wird. Ob jetzt WhatsApp, Facebook oder eine andere Firma ist m.E. eher unwichtig. Wer das nicht wusste, hat jetzt WhatsApp vielleicht gelöscht. OK, völlig in Ordnung.

Risiko-Bewusstsein
Unter dem Strich hat sich für mich nichts geändert. Es war mir vorher schon bewusst, dass Nachrichten auf einem zentralen Server umverschlüsselt gespeichert werden. Ich verstehe jede Person, die das nicht möchte und die Konsequenzen zieht. Wichtig scheint mir, dass wir über diesen Umstand Bescheid wissen und selbst enscheiden können, ob wir das in dieser Form (öffentlich sind die Nachrichten ja nicht) akzeptieren wollen. Wer in Szenarien denkt, kann sich seine Risiken ziemlich gut selbst ausdenken, die er/sie damit eingeht. Was geschieht wenn…? Ich gehe bewusst diese Risiken ein. Auch das Risiko, dass so ein Service geleaked wird, besteht immer. Was wäre wenn…? Der Volksmund sagt: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Doch auch: Wer keine Angst hat, hat keine Fantasie. Seien wir auch etwas „fantasievoll“, um mögliche Konsequenzen unserer Nutzung besser beurteilen zu können.

Apps und Ziele
Natürlich habe ich diverse neue Messenger-Apps installiert (z.B. Threema oder Telegram). Zusätzlich zu WhatsApp. Ziel: Ich möchte, dass mich mein Umfeld möglichst gut erreicht. Und niemandem vorschreiben, ob er/sie jetzt dafür einen bestimmten Messenger-Dienst verwenden muss. Ob WhatsApp, Threema, Telegram, SMS, Facebook Messenger, E-Mail, Google+, Twitter oder was auch immer. Auch Firmen sollten sich in diesen Netzwerken aufhalten, wo sich ihre Bezugsgruppen befinden. Mit einem Eröffnen eines Accounts ist es in diesem professionellen Umfeld natürlich nicht getan (ist ein anderes Thema). Aber privat problemlos: Es bewirkt für mich kaum Aufwand, eine Dialogmöglichkeit auf einer neuen Plattform bereitzustellen. Und auch so die technischen Entwicklungen und Möglichkeiten von anderen Apps mitzuverfolgen.

Fazit
Die Fragmentierung im Segment der Social Networks wird weitergehen. Die Bedürfnisse sind unterschiedlich. Es wird weiterhin neue Anbieter geben, unsere Flexibilität wird weiterhin gefordert sein. Anbieter kommen, Anbieter gehen. Umso wichtiger ist es, im geschäftlichen Umfeld ein strategisches Vorgehen zu wählen und mit jedem Dienst auch ein Ziel zu verfolgen. Und sei es nur die Erreichbarkeit für eine bestimmte Gruppe von Menschen sicherzustellen. Jeden Trend mitmachen ist nicht nötig. Wichtig scheint mir, sich den möglichen Risiken (Datenverlust, Privatsphäre etc.) bewusst zu sein. Facebook ist nicht „böser“ als andere Firmen. Ein gesundes Misstrauen und eine ständiges Überprüfen der möglichen Szenarien/Risiken kann zur Beurteilung der aktuellen Entwicklungen beitragen.