Über das Worthalten, Handschläge und Verbindlichkeiten

Zur eigentlich unwichtigen Vorgeschichte: In den letzten Monaten haben wir zu zweit ein Projekt lanciert, das wir alleine kaum hätten durchziehen können. Wir waren auf Unterstützung angewiesen, wodurch wir noch zwei Mitstreiter für dieses Unterfangen angefragt haben. Der eine (1) konnte viel zum Erfolg beitragen, war aber eher ein Einzelkämpfer. Der zweite (2) hatte ausgesorgt und hätte es eigentlich nicht nötig gehabt, mit uns da mitzumachen. Trotzdem waren beide mit dabei. Es war ein Samstag Mittag im August 2012, als wir in einem Gartenrestaurant sassen und den Ablauf besprochen haben. Weil er (1) sowas noch nie erlebte, dass jemand mit ihm etwas in dieser Art machen will, war er skeptisch, ob wir Wort halten und das wirklich mit ihm so durchziehen.

Er hat Wert darauf gelegt, das Ganze mit einem Handschlag zu besiegeln. Er streckte seine Hand hin mit den Worten: „Also machen wir das so?“. Es war für mich eher unüblich, da mein Wort auch ohne Handschlag gilt. Der Handschlag hat jedoch nochmals eine ganz andere Symbolik. Am vergangenen Freitag haben wir auf den erfolgreichen Abschluss des Projekts angestossen. Und ich habe mich an den Handschlag erinnert.

Bezeichnend war, dass bei diesem Abschluss die andere Person (2) unentschuldigt gefehlt hat. Natürlich war es nur ein an sich unwichtiges Abschlussessen. Aber die misstrauische Person (1)  hat dieser anderen Person schon länger die fehlende Termintreue vorgeworfen. Wir haben den Termin für das Abschlussessen miteinander abgemacht und die Idee war, dass jeder kommen kann.

Ich erinnere mich immer wieder an ein Erlebnis meiner Kindheit. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, als ich mit meinem kleinen Bruder auf unserer relativ grossen Dachterasse mit einem Traktor gespielt habe. Ich hatte die Idee, damit irgendwelche Steine vom einen Ende ans andere zu transportieren. Mein Bruder war begeistert davon und wir haben beschlossen, das gemeinsam in Angriff zu nehmen. Doch schon nach wenigen Minuten hatte ich keine Lust mehr und wollte abbrechen. Mein Bruder war enorm enttäuscht. Meine Mutter hat mir klar gemacht, dass ich das mit ihm abgemacht hätte und doch mein Wort halten solle. Widerwillig haben wir die Übung durchgezogen. An diese Situation erinnere ich mich bis heute.

Gerade in der heutigen Zeit gibt es viele Menschen, die sich gerne einer gewissen Unverbindlichkeit hingeben. Gewisse Kommunikationsmittel machen es auch sehr einfach, etwas abzusagen. Ohne es jemandem ins Gesicht sagen zu müssen und womöglich dessen Enttäuschung zu sehen. Für mich hat Worthalten eine grosse Bedeutung. Und bestimmt das Vertrauen in eine Person oder auch in ein Unternehmen massgeblich.