Der Sinn der Seelsorge in einer sich verändernden Gesellschaft

Das Thema erstaunt vielleicht ein wenig. Ich bezeichne mich nicht als gläubig, obwohl mich das Thema interessiert und ich mir gerne verschiedene Ansichten anhöre. Dieser Beitrag handelt von zwei Ereignissen: Der Diskussion um einen Selbstmord auf Facebook und dem Kontakt mit den Armee-Seelsorgern in meinem Militärdienst.

Seelsorge auf Facebook?

Nacht vom Sonntag auf Montag. Ich bin zu später Stunde noch am Erledigen einiger Dinge, wobei ich zufällig auf eine Diskussion auf Facebook aufmerksam werde. Eine mir unbekannte Person, in Berlin lebend, wollte scheinbar den Freitod wählen. Einer meiner Facebook-Kontakte, der mit dieser Person befreundet ist, hat versucht, dies zu verhindern. Ich war schlussendlich meiner Müdigkeit erlegen, um noch zu erfahren, wie dies ausgegangen ist. Einige Tage später habe ich gesehen, dass betreffende Person noch lebt. Mir haben sich mehrere Fragen gestellt:

  • Wo bleibt das persönliche Umfeld der betroffenen Person („Offline-Freunde“, Familie)?
  • War dieses durch ein Online-Umfeld ersetzt worden?
  • Was, wenn alles nur eine Selbstdarstellung ist? Was ist real und echt?
  • Wer kümmert sich in einer mobilen Gesellschaft, wenn Familie/Kirche zu weit weg ist, um das Seelenheil?

Gerade letzter Punkt gibt Potential für Diskussionen. Aber im Optimalfall ist eben auch Familie/Kirche online und die Welten verschmelzen. Das wird der Weg der Digitalisierung der Gesellschaft sein müssen. Der Unterschied Online/Offline wird mehr und mehr verschwinden.

Militärdienst

Anfangs Jahr war ich im Militärdienst. Ich betrachte den Dienst aus verschiedenen Aspekten positiv (Erfahrungen, Persönlichkeitsbildung etc.). Der Armee-Seelsorger wird jedoch allgemein eher belächelt. Er hat einen schweren Stand. Er hat da ein Wort zum Tag gesprochen. Es war sehr still. Doch ob alle zugehört haben? Ich denke die Wenigsten. Der Aufhänger des Theologen war ein Zitat (sinngemäss): „Und er weist mir den Weg zum Leben“. Damit beleuchtet er den Weg (oder auch Sinn) des Lebens, was für mich eine der interessantesten Fragestellungen ist. Der Seelsorger meinte, dass neben dem persönlichen Wohlbefinden („Spass“) auch noch einen tieferen Sinn geben müsse. Natürlich sieht er diesen in Gott. Persönlich denke ich, auf dieser Ebene, an eine gewisse Sinnlosigkeit. Was natürlich gut geht, solange es das Leben gut mit einem meint. Wenn sich das Leben einmal mit Tiefschlägen bemerkbar macht, braucht es vielleicht doch einen tieferen Sinn. Oder reicht die Hoffnung auf das, was noch kommt? Ich habe keine Antworten. Und suche sie aber auch nicht aktiv.

Fazit

Die Gesellschaft verändert sich. Die sozialen Netzwerke (Familie, Gemeinde, Kirche) verändern sich rasant. Die soziale Interaktion ist ein menschliches Grundbedürfnis, das trotz aller Veränderungen gelebt wird. Die Menschen suchen sich mit neuen Medien diese Interaktion. Es wird noch zunehmend eine Vermischung von Offline/Online geben. Durch die Mobilität nehmen Distanzen zu, die online überbrückt werden können und müssen. Die Familie ist ein gutes Beispiel:

Online ist also nicht ein Ersatz, sondern eine Ergänzung und im besten Fall eine Weiterführung bestehender Kontakte aller Art.