Die Sache mit dem Abschalten

Wem wurde diese Frage noch nie gestellt: Wie schaltest du ab? Doch was versteht man darunter? Ich sehe zwei Varianten:
1. Leute die meinen, dass man zwischendurch sein Leben ruhiger nehmen muss. Keine Termine, kein Stress. Die Entschleunigungs-Verfechter.
2. Leute die meinen, dass man zwischendurch etwas anderes machen muss. Wenn man sehr aktiv und engagiert ist, kann man nicht nur das machen, sondern braucht einen Ausgleich.

Ich war bisher immer der Meinung, dass ich beides nicht nötig habe. Abschalten im Sinne von Entschleunigen will ich nicht, weil mir das Leben so Spass macht. Und mein Leben ist genug abwechslungsreich, dass ich auch zweiteres nicht nötig habe.

Doch in letzter Zeit überdenke ich meine Meinung. Entschleunigung finde ich immer noch doof. Aber zwischendurch etwas komplett anderes machen, das ist absolut notwendig. Ich mache das immer wieder, ohne es bewusst zu realisieren. Nur merke ich es erst jetzt, weil es mir zeitlich nicht mehr so stark drinliegt.

Wie schalte ich nun ab? Die Standard-Antwort von vielen Menschen ist wohl Sport. Ich liebe es auch, in den Wäldern herum zu rennen. Doch abschalten, das geht da nicht. Im Gegenteil: Die Bewegung regt meine Gedanken um alles was mich beschäftigt noch mehr an. Beim Rennen habe ich die besten Ideen, es ist inspirierend, aber nicht zum Abschalten.

Richtig abschalten, das mache ich wenn ich meine gewohnte Umgebung verlasse oder etwas komplett anderes mache. Auch Dinge, die ich noch nie gemacht habe. Oder schon lange nicht mehr gemacht habe. Oder mit Leuten, die ich noch nie getroffen habe und die womöglich in anderen gesellschaftlichen oder sozialen Milieus leben. Dann, wenn alles anders ist und ich mich an nichts Bekanntem festhalten kann – dann schalte ich ab. Und vergesse alles andere.

Gerade nach einer stressigen Woche wie dieser war das nötig. Und da habe ich ein uraltes Computer-Spiel aus meiner Kindheit zum Laufen gebracht und ein wenig damit gespielt. Ich bin und war nie ein Gamer. Aber Command and Conquer war bei uns einmal während einer Phase, so vor ca. 15 Jahren, eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Getoppt würde das Erlebnis nur noch, wenn ich das gegen meinen Bruder spielen könnte. Wie damals.

Ich führe eine Liste von Aktivitäten, für die ich künftig einmal Zeit aufbringen möchte. Oder wieder mehr aufbringen möchte. Es ist sozusagen meine private Wunschliste. Da steht zum Beispiel:
– Sprachen lernen –> Französisch oder Spanisch
– Reisen: Einen Interrail-Trip mit Zelt und Zug nach Südost-Europa oder Osteuropa
– In die Berge fahren
– Einen freiwilligen Einsatz mit Asylsuchenden leisten
– Mit eigenen Fotografien Ansichtskarten realisieren
– Command&Conquer spielen 🙂
– Wiedermal einen Hockey-Match besuchen
– Absinth-Degustations-Abend mit einem Kollegen, der sich da besonders gut auskennt
– Einem Jassturnier teilnehmen
– Das Alpamare unsicher machen
– In die Oper gehen
– Ein noch unbekanntes Foto- oder Video-Projekt starten, das mit Menschen zu tun hat
– etc…

Natürlich gibt es noch weitere Momente, in denen ich abschalte: Zeit mit meiner Familie verbringen. Oder die Fotografie. Oder das Bloggen.

Das Leben ist zu kurz – wenn ich die obige Liste betrachte komme ich ins schwärmen. Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit. Es muss auch aus Vielfalt bestehen.