Gedanken zu Freunden und Song of the Month by Placebo

Der aktuelle Song, den ich mir zurzeit öfters anhöre, bringt interessante Gedanken zum Begriff „Freunde“ zur Diskussion. Schon der Titel „Too Many Friends“ gefällt mir. Ich mache mir schon länger Gedanken darüber und gerade letzte Nacht war das Thema wieder einmal ganz aktuell.

I got too many friends
too many people
that I’ll never meet
and I’ll never be there for
I’ll never be there for
cause I’ll never be there.

Mein BF verreist für 8 Monate nach Australien. Recht hat er. Letzte Nacht war sein kleines Abschlussfestli in einer lokalen Bar. Bei solchen Einladungen achte ich immer auf die Zeit: heisst es um 19.30 uhr oder ab 19.30 Uhr? Es hiess um 19.30 Uhr. Und da es noch etwas kleines zu Essen gab rechnete der Gastgeber auch damit, dass die meisten mehr oder weniger pünktlich erscheinen. Nicht erstaunlich war ich um 19.30 Uhr einer der Ersten. Die Zeit ist bei solchen Anlässen in meiner Generation nicht mehr so wichtig. Wertfrei gemeint: Man kommt nach Belieben. Andererseits: Hauptsache man kommt. Trotzdem war es unübersehbar, dass er sich über diejenigen gefreut hat, die pünktlich gekommen sind und den Raum mit Leben gefüllt haben.

Einige sind erst gegen Mitternacht gekommen. Sie hatten vorher noch mit anderen Freunden eine Verabredung. Verständlich und löblich, dass sie auch diese Freundschaften pflegen. Und Terminkonflikte kann es immer geben. Doch bei den einen zu früh zu gehen um bei den anderen zu spät anzukommen finde ich persönlich unbefriedigend, funktioniert nicht und macht unglücklich. Man kann nicht für zuviele Menschen immer da sein.

Szenenwechsel. Eine Kollegin hat sich beklagt, weil sie sich heute Sonntag morgen bereits um 10 Uhr wieder zum Brunch verabredet hat. Auch sonst sei sie immer unterwegs, natürlich mit Freunden. Auch diese Nacht trifft sie nach Mitternacht noch weitere, andere Kollegen. Mir kam gerade dieser Song in den Sinn. Wenn man für Freunde da sein will, braucht das Zeit. Je mehr Freundschaften man wirklich pflegen will, desto weniger Zeit bleibt für die anderen übrig. Too many friends?

Es bleibt die Frage, wieviele Freunde dieses Prädikat verdienen. Für mich relativ viele. Wie eng man welche Freunde an seinem Leben teilhaben lässt oder lassen kann, ist je nach Person verschieden. Und somit auch die Stärke der Bindung und die Qualität der Freundschaft. Mit Facebook hat der Begriff ebenfalls einen Wandel erfahren und wird sehr viel breiter ausgelegt als früher. Da ich zwischen online und offline wenige Unterschiede mache halte ich es persönlich so: Freunde (auch auf Facebook) sind Menschen, die ich schon im realen Leben getroffen und somit mindestens eine Gemeinsamkeit habe. Wirklich für jemanden da sein, das kann man nur für eine beschränkte Anzahl Menschen. Ich schätze diese Gruppe bei mir auf vielleicht 10-20 Menschen. Ich treffe diese nach Möglichkeit mindestens einmal monatlich im realen Leben. Und stehe mit ihnen online öfters in Kontakt.

Übrigens: Rein musikalisch klingt der Song eingängig mit nur allzu gut bekannten Akkordabfolgen. Da kann man nicht viel falsch machen, um nicht den Begriff mainstream verwenden zu wollen. Mir gefällts.