#rp13 Tag 3: Hach, schon vorbei

Der dritte Tag an der re:publica war erneut ein voller Erfolg. Die drei Tage waren einfach genial und gingen viel zu schnell vorbei. Ich werde noch einige Zeit von den Erinnerungen und Eindrücken erzählen und daran denken. Wie schon beim 1. Tag und auch 2. Tag auch hier eine kurze Zusammenfassung, beginnend wiederum beim

Abendprogramm

rp1303_gruppenbildDer Abschluss der re:publica hat wie jeden Abend draussen vor der Station begonnen. Gespräche führen, Sessions vertiefen, offene Fragen klären etc. Natürlich hat auch ein Gruppenbild nicht gefehlt. Das reicht – wir sind scheinbar mit wenig zufrieden.

Side-Projects

rp1303_memoryWährend der ganzen re:publica hat es diverse Leute gegeben, die ihre eigenen Projekte durchgeführt haben. Also meistens content erzeugt haben (Podcaster, Videocaster, Blogger etc.) Auf ein spezielles Projekt wurde ich am dritten Tag aufmerksam: das Memory Prediction Experiment des Hambuger Humanist lab. Und zwar ging es darum, die drei Dinge zu nennen, an die man sich in sechs Monaten wohl erinnern wird. In sechs Monaten werde ich von den Leuten eine Mail kriegen und die Fragen wieder beantworten. Und gespannt sein, wie das übereinstimmt. Ebenfalls beeindruckt hat mich die Einstellung dieser Leute. Sie wollen keine staatliche Förderung, sondern einfach unabhängig ihre eigenen Projekte durchziehen. Ohne Rechenschaft ablegen zu müssen und bürokratische Vorgänge über sich ergehen zu lassen. Chapeau. Ein gutes Beispiel von Menschen, die etwas „machen“ und eigenverantwortlich ihre Neugierde stillen. Ich bin beeindruckt.

Die erste Session habe ich erneut mit Bloggen verbracht, was aber angesichts der Themen kein Verzicht darstellte. Folgende Sessions habe ich besucht:

Lisa Rosa: Lernen Lernen lernen im persönlichen Lernnetzwerk. Wie im digitalen Zeitalter eigensinnig und gemeinsam gelernt wird.

Dies war einer der besten Referate an diesem Tag. Ausgangslage war das Lernen im 19. Jahrhundert, in dem das Lernen nach folgendem Schema abgelaufen ist: Stoff aufnehmen, Stoff behalten, Stoff anwenden. Die Referentin plädierte für eine neue Form des lernens. Jeder braucht sein persönliches Lernnetzwerk. Wieder was ich mitgenommen habe:

  • Es geht beim Lernen nicht mehr nur um den Stoff. Sondern es muss immer die Sinnfrage gestellt werden. Dies sogar bei einem Dreijährigen.
  • Teilen, teilen teilen. Wissen, das nicht im Umlauf ist, ist schon vergessen. Ansonsten muss es in einigen hundert Jahren vielleicht wieder neu erfunden werden.
  • Institutionelles Lernen: Es geschieht nicht mehr bewusst, sondern ist ein ständiger Prozess, der automatisch abläuft.
  • Hauptsache: Sich ein persönliches Lernnetzwerk aufbauen, das man ständig pflegt. Darauf kommt es an.
  • Nur individuell geht gar nicht. Zitat: „Ich würde ja verrecken, wenn ich euch nicht hätte.“ Viel kommunizieren ist das Milieu, die Luft zum atmen, die es dafür braucht. Und, dass man sich nicht alles selbst ausdenkt. Eine Frage führt dazu, dass man beginnt zu denken.
  • Was ist wirklich anders als früher? Wir können global netzwerken. Wir sind nicht mehr auf die Nachbarn angewiesen, die vielleicht nicht die selben Interessen haben. Beispiel: Kinder in bestimmten Hamburger Quartieren haben kaum Einflüsse von aussen. Das ist alles die selbe, triste Sosse. Heute ist das anders. Ich kann mir Netzwerke aufbauen wo ich will und Inspiration von der ganzen Welt holen. Das ist neu und eröffnet neue Perspektiven.

Wie sieht nun solch ein persönliches Lern-Netzwerk aus? Die Referentin hat ihre „persönliche Lern-Welt“ wie folgt vorgestellt:

  • Interiorisieren = Sammeln und Verarbeiten: Mit Feedreader, Video-Kanal, Social Bookmarking, Dropbox, Evernote
  • Exteriorisieren = Produzieren und Publizieren: Mit Blog, Wiki, eBook, Scribd, Youtube, Flickr, Slideshare, Prezi
  • Dialog = Vernetzen, Teilen und Zusammenarbeiten: Mit Linkedin, XING, Researchgate, G+, Facebook, Twitter, Etherpad, MindMeister, Google Drive, Wiki Skype, Whatsapp
  • Sie rief den Zuhörern in Erinnerung: „Ihr habt das auch. Nennt es aber nur nicht lernen.“ Bei dieser speziellen Gruppe der re:publica-Besucher könnte sie sehr wahrscheinlich recht haben mit dieser Aussage

Nochmals: Es war wirklich ein sehr gutes Referat, das aufzeigt, wie unsere Wissensgesellschaft lebt und arbeitet.

Jöran Muuß-Merholz: x-learning. Warum die Digitale Revolution des Lernens gescheitert ist.

rp1303_xlearningJöran hat sich das Recht genommen, statt eines enthusiastischen einen kritischen Vortrag zum Stand des Lernens im 2013 zu halten. Es stellte in Frage, ob die guten digitalen Erungenschaften wirklich allgemein von Nutzen sind oder nicht doch nur wieder einer gebildeten Elite hilft, ihren Vorsprung gegenüber den andereren zu vergrössern. Für mich war klar: Neugierde und Selbständigkeit sind eine Frage der Einstellung und nicht der Technologie oder Tools. Und diese zu ändern ist schwierig. Oder anders gesagt: Nur weil wir neue Möglichkeiten wie e-learning, neue Medien etc. haben, heisst das nicht, dass diese auch von einer breiten Masse in diesem Ausmass genutzt werden, wie wir uns das vorstellen. In seiner fünften These erläuterte er die „Eigentlichkeit der Technik“. Um die Grundaussage weiter zu untermauern, dass es schlussendlich nicht an den Möglichkeiten sondern an der Einstellung und dem tatsächlichen Einsatz der Möglichkeiten liegt.

Felix Schwenzel: 10 Vorschläge um die Welt zu verbessern

Erwartet: Ein moralischer Weltverbesserer-Vortrag. Erlebt: Ein witziger Weltverbesserer-Vortrag. Ok, der Unterschied dabei ist nicht gewaltig. Trotzdem waren die anfänglichen Vorschläge wie z.b. gewisse Schriftarten gegenüber Arial zu bevorzugen, weil diese angeblich beim Ausdruck weniger Tinte verbrauchen, eher für die allgemeine Erheiterung gedacht. Danach ging es auch um Politiker, die nur Angst verbreiten und mit Symbolhandlungen versuchen glaubhaft zu machen, dass sie etwas an der Welt verbessern wollen. Es führte zur Aussage, dass der Bio-Eier-Kauf eigentlich nur eine Art moderner Ablasshandel sei. Weitere Punkte:

  • machen! Nur mit Reden und Symbolpolitik wird nichts verändert.
  • Pathos ist ziemlich ungeeignet. Beispiel der Werbung von Krombacher mit WWF: Link zu Video auf youtube
  • „Wenn ihr glaubt, Bildung sei teuer, wartet ab, wie teuer Dummheit ist“

Jay Cousins, Adam Molyneux-Berry, Wael Fakharany: The Outernet – A revolution, in reality

Drei kurze Talks über die Situation im Nahem Osten. Nicht viel Neues. Überall steigende Userzahlen, das Internet beeinflusst alle Lebensbereiche. Während dem TV schauen wird, wie bei uns, im Internet konsumiert. Jedoch meist wegen einem anderen Grund: Nämlich um zu überprüfen, ob das im TV Gesagte stimmt. In den Taks ging es vor allem um die Entwicklung von Co-working spaces, Startup-Weekends, hubs etc. Und unter welchen Bedingungen diese arbeiten. Alles in allem spannend.

Thomas Gegenhuber, Robert Bauer: Von außen nach innen: Der soziale Kontext von Crowdsourcing

Die Referenten steigen mit dem Beispiel Mechanical turk (Erklärung der Wikipedia) ein und umreissen kurz, was für Aufgaben via crowd erledigt werden können. Es wurden die Spannungsfelder und Stellung der Community sehr ausführlich beleuchtet. Schlussendlich gaben sie ihre fünf Empfehlungen preis, um Crowdsourcing erfolgreich einzusetzen:

  • Einstiegsdroge Marketing: Mit einer kreativen Kampagne starten
  • Respekt für die Crowd entgegenbringen
  • Anpassung der Organisation: Je häufiger Crowdsourcing angewendet wird, desto eher möchte man die Community einbinden.
  • Management Messen und Anerkennen
  • Leadership in Krise und mit Charisma

Das Fazit der Referenten: Die Crowd wäre noch leistungsfähiger und zu mehr bereit. Die Prognose: Crowdsouring würde vielfältiger, wirksamer, gerechter und bleibt konfliktär. Und als Ausblick: Die Verschränkung von externem und internem Crowdsourcing wird ein Thema sein.

Nicole Ebber, Johannes Schleimer, Kathrin Kaufmann, Thomas Renger, Steffen Voß: Blogs und Bier? Das lob’ ich mir! #ironblogger

rp1303_ironbloggerDas war die Session, die mich am meisten interessierte, weil ich schon länger mit dem Gedanken spiele, die Ironblogger in der Schweiz zu gründen. Nun es sieht diesbezüglich gut aus, dass es soweit kommt. Darum werde ich in den nächsten Tagen einen separaten Blogpost zu dieser Session verfassen und auch gleich Details zu den Ironbloggern Schweiz bekannt geben. Stay tuned 🙂

Marian Steinbach: Offene API für die Lokalpolitik

Thema: Wir basteln uns eine bürgerfreundliche Informationsplattform. Es ging darum, dass in einer Stadt die Menschen informiert werden, wenn in ihrer Umgebung etwas geschieht z.B. durch ein Bauvorhaben. Die Informationen sind heute meistens schon zugänglich, jedoch in einem System, das zu wenig bürgerfreundlich ist. Oder anders gesagt: Kein Mensch durchsucht die Dokumente einer Stadt und betrachtet alle Bauvorhaben. Die Anforderungen an diese Plattform sind: Reduktion aufs Wesentliche, schnelle und intelligente Volltextsuche, Ortsbezogene Suche und Visualisierung, Vorschaubilder, Deep Linking, Offen für Suchmaschinen und eine offene API, damit die Daten einfacher weiterverwendet werden können. Erwähnt wurde die OParl-Initiative, mit der die offenen Zugriffe auf Parlamentsinformationssysteme in Deutschland standardisiert werden sollen.