Reisen jetzt!

Diese Woche war ich drei Tage im Tessin, wieder einmal Solo-Travelling. Und das hat immer die Begleiterscheinung, mit interessanten Leuten ins Gespräch zu kommen.

Ich bin beim Nachtessen in einem kleinen Lokal in Ascona, als sich ein Basler neben mich setzt. Der Mann ist schon pensioniert und wir sprechen übers Reisen. Er hat, nachdem seine Kinder ausgezogen sind, neun Jahre auf einem Schiff verbracht (drei Jahre davon alleine). Er hat mir damit natürlich einen Steilpass für meine These geliefert:

Wenn man Reisen will, kann man das immer machen, nicht nur wenn man „jung“ ist.

Doch der weise Mann widerspricht mir. Er hätte einige Kollegen, die das Reisen immer auf die Pension verschoben hätten. Doch sie hätten dann gar nicht mehr gewusst, wie das funktioniert und hätten es schlussendlich aus Respekt/Angst doch nicht mehr gemacht. Also doch: Man kann schon auch später noch reisen, aber das Bewahren eines offenen Geistes ist trotzdem nötig. Und das macht man am besten mit Reisen, um nicht aus der Übung zu kommen. Z.b. einmal sich zu verlieren, unbekannte Wege zu gehen oder auf unbekannte Menschen zuzugehen. Wie es beim Solo-Travelling besonders ausgeprägt der Fall ist.

Sein Fazit: Immer wenn man Geld hat sollte man reisen.

Ich erinnere mich noch an eine Begegnung vom Nachmittag, als ich mit einem (ebenfalls pensionsierten) Ehepaar auf einer Bergwanderung ins Gespräch gekommen bin. Sie haben begeistert vom Jakobsweg erzählt, den er während drei Monaten und sie während drei Wochen abgelaufen ist. Er habe sich nicht auf die Pensionierung vorbereitet, sondern es hätte einen harten Schnitt in seinem Leben gegeben. Da habe er den Jakobsweg in Angriff genommen. Man mache sowas ja nicht grundlos. Entweder aus religiösen, spirituellen oder eben Gründen der Selbstfindung. Fasziniert an seinen Erzählungen hat mich der Gedanke, mit möglichst wenig Gepäck („Ballast“) zu reisen. Auch dafür ist ein offener Geist gefragt. Dinge zu machen und Wege zu gehen, die neu sind. Und auf Sicherheiten verzichten.

Sein Fazit: Der Mensch braucht weniger zum Leben als man denkt.

Mein Fazit nach den Begegnungen: Reisen ist das beste, was man tun kann. Es bietet Möglichkeiten für Begegnungen mit unterschiedlichsten Leuten, neue Ansichten und Ideen. Das ist manchmal sogar auch im Tessin möglich.