Grundsatz: mit den Leuten zusammenarbeiten

Bei Gesprächen in dieser Nacht wurde mir einmal mehr bewusst, wie wichtig es ist, mit den Menschen zu sprechen, Sie ernst zu nehmen und in Entscheide einzubeziehen. Zusammenarbeit heisst nicht befehlen, sondern zusammen weiter zu kommen. Das Buch Leadership von General Rick Hillier (ein kanadischer General, der über seine Führungsgrundsätze schreibt) hat das am besten auf den Punkte gebracht: It’s all about people. Ich bin überzeugt, dass bei Misserfolgen diese Weisheit zu wenig bis gar nicht beachtet wurde. Ohne motivierte, mitdenkende Mitstreiter erreicht man nichts.

Beispiel 1: Feuerwehr Frauenfeld
Das Gespräch mit einem ehemaligen Angehörigen der Feuerwehr Frauenfeld zeichnet ein düsteres Bild. Er ist seit einiger Zeit nicht mehr dabei, weil sie ihn quasi zwingen wollten, Gruppenführer zu werden. Er war in seiner Funktion als Soldat sehr zufrieden und motiviert. Der Druckversuch von oben hat ihm die Lust genommen. Konsequenz: Die Feuerwehr verliert einen sehr fähigen, top motivierten Kameraden. Gewinn: nichts.  Gerade auch bei unteren Positionen ist es wichtig, sehr gut qualifizierte Leute zu haben. Es ist nicht nötig, jeden hinaufzubefördern, wenn er das gar nicht will. Der Umgang mit Druck ist eine sehr heikle Angelegenheit. Wenn er motiviert und fördert, ist das gut. Oft verärgert, belastet und demotiviert er.

Beispiel 2: Postauto
Ich unterhalte mich mit der Postautofahrerin. Sie beschwert sich darüber, dass man bei der Post entweder macht was einem gesagt wird oder sonst gehen muss. Das Bedürfnis von Mitarbeitern, mitzugestalten, sich einzubringen und Veränderungen anzustossen ist anscheinend zu wenig möglich. Obwohl ich wetten würde, es steht irgendwo in einem Leitbild, das nicht gelebt wird. Konkret ging es um zwei Routen, die sich über einen gewissen Streckenabschnitt decken. Nun war ihr verboten, einen Fahrgast an einer Haltestation auszuladen, die nicht in ihrem Plan war sondern in der anderen Linie. Obwohl sie sowieso da durchfahren würde und es praktisch keinen Mehraufwand wäre. Es zeigt: die Leute aus der Praxis sind meist pragmatischer, lösungsorientierter und kundenorientierter als gewisse Schreibtischtäter. Sie sollten in die Prozesse direkt eingebunden werden. Zudem haben Sie die vollen Konsequenzen (Reklamationen) zu tragen.

Mentalitätsunterschiede
Auch beim Feuerwehr-Beispiel habe ich gehört, dass das Vorbild aus Zürich kommt. Dort laufe das im professionellen Umfeld so. Ich merke je länger desto mehr: es gibt einen Mentalitätsunterschied zwischen Zürchern und Thurgauern. Wir mögen Befehle nicht sonderlich, sondern werden lieber in die Entscheidungsfindung mit einbezogen. In Zürich ist das anscheinend anders. Auch wenn das Ziel schlussendlich das selbe ist: es kommt auf den Ton an, wie man etwas sagt.

Fazit
Vielen ist nicht bewusst, dass sie auf den Goodwill der Mitarbeiter angewiesen sind. Ohne die Leute, die den Wagen ziehen, läuft überhaupt nichts. Wenn sie nicht zufrieden sind, Entscheide nicht nachvollziehen oder von (auch persönlichen) Problemen geplagt werden, leidet die Organisation. Wer das versteht, hat grosse Chancen auf Erfolg. It’s all about people.