re:publica XI: Wie wird man zum Local Hero?

Vom 13. bis 15. April fand in Berlin die re:publica XI statt, die Konferenz über Blogs, Soziale Medien und die Digitale Gesellschaft. Etwas verspätet erscheinen auf diesem Blog einige Artikel dazu.

Die Session mit diesem Titel hatte zum Thema, wie man mit Lokaljournalismus zum local hero wird. Das Podium war mit verschiedenen Personen bzw. Vertretern von Medien besetzt: Philipp Schwörbel (prenzlauerberg-nachrichten.de), Rainer Kurlemann (rp-online.de) und Stefan Aigner (regensburg-digital.de) Harry Prothmann. Moderiert wurde die Runde von Carolin Buchheim (fudder.de bzw. badische-zeitung.de).

prenzlauerberg-nachrichten.de
Prenzlauer Berg hat ca. 145000 Einwohner.

Was ist der Anlass, ein lokales Medium zu gründen? Grosse Zeitungen ziehen sich aus dem Lokalen zurück. Es gibt viele Blogs und Bürgerinitiativen, eine Vielfalt und Aktivisten sind vorhanden (tz.B. hellmutsplatz.de, wasserturm-blogs etc.). Eine kontinuierliche Berichterstattung über die Lokalpolitik, sogenanner Qualitätsjournalismus fehlt jedoch. Das Feststellen eines Mangels ist der Grund, es ist etwas nicht so, wie es sein sollte.

Wie findet man die erste Nachricht? Systematisch. Zu jedem Stadtrat und Bürgerinitiativen gehen und ein Interview führen. Dann kommen die Themen. So entwickelt sich nach bis nach ein „Fan-Netzwerk“. Themen kommen dann danach automatisch.

These: gute, lokale Geschichten sind die Zukunft. Die Leute interessiert es, was vor der Haustüre passiert.

Warum macht ihr das? Für die Demokratie ist es wichtig, zu wissen, was vor der eigenen Haustüre passiert, und auch welchen Zwängen die Politik unterlegen ist. Das fördert die Demokratie und das Verständnis dafür.

Wer soll das alles bezahlen? Seit 6 Wochen haben wir den Anzeigeverkauf gestartet.

Lokalen Helden sind alle, die lokal etwas bewegen wollen.

Wie kommen die User? Auf wundersame Weise, durch Mund-zu-Mund-Propaganda.

Moderatorin antwortet dazu: sie hätten einfach mal mit einem WordPress-blog gestartet. Später wurden dann einmal Werbe-Karten aufgelegt.

Teilnehmer aus Würzburg: bei uns ist Lokaljournalismus das Aneinanderreihen von RSS-Feeds der Polizeipräsidien.

Moderatorin: nur mit Polizeimeldungen wird man nicht zum local Hero.

rp-online.de
rheinische-post online
Die Online-Nachrichten wurden vor 12 Jahren gegründet. Es hat begonnen mit dem Online-Stellen von Zeitungsartikeln. Heute ist es eine online redaktion mit 10 Mitarbeitern.

Grundaussage: Wettbewerb und Konkurrenz ist wichtig, damit ein Druck für Geschichten da ist. Sonst wird die Zeitung bequem. Der Wettbewerbsdruck sorgt für bessere Nachrichten.

Wenn der User eine Qualmwolke sieht will er wissen, was wo brennt. Und es nicht erst am nächsten Tag in der Zeitung lesen. Viele Leser kommen auch von ausserhalb der Stadt, die es interessiert, was Zuhause bzw. dem Geburtsort passiert. Online ist gut, da es sofort Feedback gibt. Was auch im Print zu anderen Stories führen kann, z.B. wenn bei einem Unfall auf weitere gefährliche Stellen hingewiesen wird. Das kann dann thematisiert werden.

Ein Live-Ticker gibt es bei Themen, bei dem es eine hohe Beteiligung gibt. Neu gibt es einen Live-Ticker aus der Ratssitzung.

Wo gehen News zuerst raus? Aktuelle Meldungen, die nicht exklusiv sind. Andere Meldungen gehen sofort online und werden getwittert. Beispiel: Ausfall von Zügen durch Schnee. Mit Hilfe der User wurde laufend aktualisiert, welche Linien befahren werden. Der Print konnte verständlicherweise nicht mithalten.

Nur gute Journalisten schreiben gute Artikel.

regensburg-digital.de
Was für Geschichten interessiert am meisten? z.B. die Schliessung der lokalen Brauerei. Es wird schon einige Male gestreikt, die Geschichte erscheint aber als Nebensatz, da die Brauerei ein grosser Anzeigekunde ist.

Es passiert regelmässig, dass anonyme Hinweise eingehen.

Ein Konkurrenz-Seite hat Geschwindigkeit und Masse zur Maxime erklärt. Kann man machen, aber bei regensburg-digital.de gehört die Geschwindigkeit nicht zum Wichtigsten, Qualität und das Aufgreifen von Themen, die bei anderen nicht zur Sprache kommen, sind wichtiger.