Athen: Von Unruhen und kleinen Problemen

Vorweg: es geht mir blendend. Mein Eindruck dieser Stadt ist positiv, und insbesondere die Arbeit ist spannend und lehrreich. Somit kann ich mich nicht beklagen. Wieder kurz meine Erlebnisse und Gedanken der vergangenen Tage:

Mein Hotel liegt, wie schon angetönt, im wahrscheinlich problematischsten Stadtteil von Athen. Es ist die Hochburg der Anarchisten. Letzte Woche hat sich dies in wüsten Strassenschlachten geäussert. Ein lauter Knall, Feuer mitten auf der Strasse, brennende Container und vermummte Chaoten, die umher ziehen. Trotzdem haben wir uns an diesem Abend nach draussen gewagt. Das Risiko ist trotz allem klein. Der Unmut dieser Leute richtet sich gegen das System, die Regierung und die Polizei (die einen Tag zuvor fünf dieser Querulanten ins Gefängnis gesteckt hat).

Weiters habe ich schon das Drogenproblem angesprochen. Sicher, ich komme eher vom Land;-) Aber auch in Zürich kennen wir meines Wissens die offene Drogenszene nicht (mehr?). Jedenfalls sieht man Spritzen regelmässig. Als wir in der Nacht von Freitag auf Samstag heimgelaufen sind, haben wir gleich drei Junkies gesehen, die gleich die Spritze angesetzt haben. Das hat mich ziemlich schockiert. Ich habe das noch nie in meinem Leben mit meinen eigenen Augen gesehen, dass sich sowas einige Meter neben mir ereignet. Das hat mir dann auch am Wochenende doch noch etwas zu Denken gegeben. Doch heute habe ich dies schon um 19 Uhr wieder gesehen, als ich von der Arbeit zurück gekehrt bin. Tragisch, aber es wird schon langsam Alltag. Die Polizeipräsenz ist vorhanden, doch die wollen/können/dürfen nicht viel unternehmen. Die stehen meist in Gruppen von 5-6 uniformierten zusammen und unterhalten sich. Immer noch besser als wenn niemand da wäre. Heute haben sie etwa zu 10 eine Person gefilzt. Auch eine Sicht von Teamwork.

Kommen wir zu etwas Erfreulicherem: der Metro. Alle drei Minuten fährt während dem Tag ein Zügli in jede Richtung. Eine tolle, zuverlässige Sache. Genau darum kann ich auch die Leute nicht verstehen, die zu rennen beginnen, wenn sie eine Metro einfahren hören, aber noch auf der Treppe stehen. Für diese drei Minuten würde ich keine einzige Schweissperle riskieren.

Ganz anders sieht es mit der Zeit allgemein aus. Da musste ich ganz anderes wieder lernen: wenn man sich verabredet ist eine Verspätung von 50 Minuten kein Drama. Da sind wir (mit den Deutschen) wahrscheinlich die einzigen auf der Welt, die das etwas enger sehen. Denn die Zeit ist hier relativ. Wenn man etwas abmacht, ist das eher so ein Richtwert.

Das Hotel ist, naja, für Studenten gedacht. Nicht wirklich luxuriös, aber es ist sauber, hat ein Bett und einen Balkon (meine Ansprüche sind sonst bescheiden). Dazu gehört auch ein Gemeinschafts-Kühlschrank. Dieser steht im Gang und jeder kann dort Essen etc. reinstellen. Daran hängt ein handgeschriebener Zettel mit der Bitte, nicht den Food anderer zu konsumieren. Nun ich dachte, das sei kein Problem. Doch weit gefehlt: es wird schon mal geklaut, wenn ein Hüngerchen plagt. Wie letztes Mal erwähnt, ist die Grosse Mehrheit der Gäste Models. Und ich bin mir fast sicher, dass es diese mit dem Besitz nicht so ernst nehmen. Doch ich habe meine Einstellung wie folgt definiert: wenn sie mein kleines Stückchen Käse klauen wollen, ist das ganz ok. Ich rede mir ein, dann etwas gegen den Hunger auf der Welt zu machen. Sozusagen eine gute Tag, denn manchmal sehen diese Gestalten schon etwas gar mager aus. Ein Diebstahl wird so zur reinen Wohltat. Ach ja, meine süssen Vanille-Puddings sind völlig sicher, die haben das ganze Wochenende im Kühlschrank überlebt. Komisch 🙂

Nochmals etwas ganz tolles an Griechenland: die book&coffe shops. Das sind Cafes die noch eine mehr oder weniger grosse Bibliothek im Haus haben. Da wird lesen mit Kaffe-Trinken auf wunderbare Weise kombiniert. Die Atmosphäre ist sehr gemütllich. Nur verstehe ich diese Bücher natürlich nicht.

Die obigen Worte sind schon wieder zwei Tage alt. Das mit der Internetverbindung ist noch nicht so erfreulich, die Verfügbarkeit ist etwas tief hier (für meine Verhältnisse). Und während der Arbeit kann ich ja auch nicht alles erledigen. Dafür habe ich für den nächsten Bericht schon wieder einige Punkte zusammengetragen. Mein Gedächtnis wird gefordert. Denn habe eigentlich nichts vergessen mitzunehmen, ausser des Bloggers Werkzeug Nr. 2: ein Schreiber. Jetzt mache ich Gedächtnistraining nach einer bekannten Methode, die erstaunlich gut funktioniert. Ev. schreibe ich später einmal darüber.

Fortsetzung folgt…