Pendlergespräche

pendlerGespräche im Zug sind etwas vom Interessantesten, was es gibt. Ich habe schon öfters darüber gebloggt. Menschen sind da teilweise erstaunlich offen und geben Informationen aus ihrem persönlichen Leben bekannt. In letzter Zeit haben sich drei Erlebnisse angesammelt, ich mache aus Zeitgründen einen Post daraus.

Es geht um diese drei Gespräche:

Das Unverschämte
Da sitzt eine junge Frau (mit Migrationshintergrund, jedoch Deutschem) alleine im Abteil und telefoniert mit ihrem (vielleicht) künftigen Arbeitgeber. Sie bittet um die Verschiebung eines Vorstellungsgespräches, ihr sei ein Termin dazwischen gekommen. Nachdem ihr versprochen wurde, dass der Chef zurückruft, macht sie ein neues Telefonat. Dieses mal mit dem aktuellen Arbeitgeber. Sie erzählt gerade, dass sie schwanger ist. Toll, denke ich. Der neue Arbeitgeber wird sich bestimmt über diese freudige Nachricht freuen 😉

Das Jugendliche
Am Morgen pendle ich diese Woche öfters auf einer Bahn-Linie, die an einer Berufsschule vorbeiführt (Schule für Detailhandel und einige technische Berufe, soviel ich weiss). Jedenfalls hat es immer viele Lehrlinge im Zug. Diese Woche war interessant: im einen Abteil drei Frauen und einen Mann (Lehrlinge), im gegenüberliegenden Abteil drei Männer zw. 40 und 50. Die Jungen haben sich sehr offen über das Thema Pillen unterhalten. Die Mädchen haben erzählt, welche sie nehmen („die Jasmin ist ungefährlich“), welche Erfahrungen sie gemacht und welche Aengeste sie haben etc.. Der Junge hat wenige Fragen gestellt und „aktiv“ zugehört. Die Beobachtung der Männer daneben war höchst interessant. In ihrer Jugend hat es diese Gespräche wahrscheinlich nie gegeben. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, sie hätten teilweise selbst noch was Neues mitbekommen, so erstaunt haben sie teilweise ausgesehen.

Das Schockierende
Ich merke, dass ich nicht mehr die Jugendsprache spreche (obwohl ich mich ja noch nicht alt fühle). Aber kürzlich habe ich ein Telefongespräch mitgehört. Da hat ein junger Mann (wahrscheinlich auch mit Migrationshintergrund) einen Kollegen angerufen. Der erste Satz: „Hey verdammti Ratte, wo gosch?“. Ich stufte diesen Ausdruck ziemlich hart ein. Aber scheinbar kann man das heute auch zu guten Kollegen sagen. Auf den Ton kommt es an 😉

Pendeln im ÖV ist eine coole Sache. Ich möchte darauf eigentlich nicht verzichten, auch wenn es einige kostbare Minuten meines Lebens kostet. Die Unterhaltung ist es mir wert 🙂