Wettbewerb und Menschen

Eine Diskussion mit einem Wirte-Ehepaar veranlasst mich, mir einige Gedanken zu Wettbewerb und Menschen zu machen. Und zwar hören sie nächsten Sommer mit dem Wirten auf. Die Präsenzzeit hat mich erstaunt, um 0800 morgens öffnet das Restaurant, die letzten Gäste gehen selten vor Mitternacht. Und das an 6 Tagen in der Woche. Freie Zeit bleibt kaum übrig. Auch muss noch ein Haushalt nebenbei geführt werden.

Ich habe Respekt vor solchen Menschen. Sie verkörpern echtes Unternehmertum, sie leben für das Unternehmen. Andererseits darf die Arbeit den Menschen auch nicht kaputt machen, Zeit für Erholung und sich selbst muss sein. Jeder selbständig Erwerbende weiss, dass er normalerweise mehr arbeitet als ein Angestellter, besonders in den ersten Jahren. Und Mindestarbeitszeiten, Arbeitnehmerschutz etc. gibt es (zum Glück) keine. Denn das würde die freie (und freiwillige) Entwicklung des Unternehmens stark gefährden.

Der Wettbewerb ist hart, auch im Gastgewerbe. Im beschriebenen Beispiel haben es die Unternehmer erreicht, die Umsätze zu steigern (zurzeit ca. 20-30 Mittagessen täglich). Das sei beim Vorgänger (ebenfalls Pächter) anders gewesen. Ich frage mich jedoch, ob der Ertrag den grossen Einsatz von Zeit rechtfertigt. Auch hier merke ich: diese Frage stellen sich echte Unternehmer nicht. Sie leben für ihre Unternehmung. Auch wollen Sie es ‚allen recht‘ machen. Sprich: keine Kunden verlieren, auf deren Bedürfnisse eingehen usw. Da kann es schon vorkommen, dass man auf Kundenwunsch ausnahmsweise bereits um 0740 öffnet. Das ist bestimmt positiv, doch auch hier ist ein gesundes Mittelmass gefragt zwischen (eigener) Zumutbarkeit und Erfüllung der Kundenwünsche. Eventuell hängt sogar das Ueberleben der Unternehmung davon ab.

Wenn aufgrund eines Burn-Outs, extremem Schlafmangel usw. die Leistung abnimmt oder sogar auf 0 zurückgeht, ist der Schaden für die Wirtschaft grösser als wenn auch in andere Lebensbereiche genügend Zeit investiert wird.

Es ist zu hoffen, dass auch in Zukunft diese Art der Beschäftigung trotz (oder wegen?) grossem Einsatz attraktiv bleibt, ohne dabei Familie und Freizeit ganz zu vergessen. Dass die Ueberlebensrate von Neugründungen nach 4 Jahren bei 54% liegt zeigt auf, wie hart Wettbewerb sein kann (Meldung vom Bundesamt für Statistik).