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Zug-Ausfall: kein Wunder

Der Rheintal-Express ist heute einmal ausgefallen. Grund: ein Lok-Defekt. Ich hab Verständnis: wenn das wahrscheinlich älteste in der Schweiz eingesetzte Rollmaterial im Einsatz ist, kann das vorkommen. Zudem: auf der Linie St. Gallen – Chur ist nirgends Zürich dazwischen. Darum reichen diese Wagen völlig aus…

Ausfall Zug

Die Züge werden bestimmt einmal ersetzt. Denn es sind noch Wagen im Einsatz, bei denen man Fenster runterlassen kann (jaja, früher, als wir noch jung waren, war das gang und gäbe):

Rheintal-Express

Aber gerade in dieser (heissen) Zeit wünscht man sich eher einen klimatisierten Wagen als Nostalgie. Es sind nämlich nicht nur Bergler und Wanderfreunde auf diesem Zug, die ins Bündnerland wollen.

Abendliches Chaos

Man kann sich darüber beklagen, doch nützen wird es nicht viel. Gestern Abend wartete ich beim Bahnhof Amriswil, der Warte-Saal war in katastrophalem Zustand:
bhf amriswil

bhf amriswil

Ein Kommentar ist überflüssig. Die ausgehängte Bahnhofsordnung liest sich wie ein Witz. Dort steht, was man am Banhof nicht alles darf. Es geht von “Rumhängen” über Rollschuhfahren bis zum Unterschriftensammeln. Auch “Wegwerfen und wildes Deponieren von Abfall” gehört dazu. Verstösse gegen die Hausordnung werden bestraft. Vorausgesetzt, man erwischt jemanden. Meine Ablehnung gegenüber stärkerer Videoüberwachung hinterfrage ich wieder kritischer.

Velo-Entsorgung

Die SBB kontrollieren anscheinend die Velo-Ständer am Bahnhof Amriswil regelmässig. Gestern habe ich folgendes Velo entdeckt:
velo-entsorgung

Wenn man sich nun einmal den Kosten bewusst wird, die nur schon für die Abfallbeseitigung und Behebung von Schäden durch Vandalen anfallen, sind das horrende Summen.

Im Kanton Thurgau ist übrigens das neue kantonale Abfallgesetz in der Vernehmlassung. Darin ist vorgesehen, dass neu Bussen für das sog. Littering (liegenlassen von Abfall) ausgesprochen werden können (bis zu Fr. 300.-). Die grossen Fragezeichen stellen sich hier natürlich bei der Durchsetzung eines solchen Gesetzes. Doch verharmlosen darf man die Problematik deswegen nicht. Die Stadt Frauenfeld gibt jährlich ca. Fr. 100’000.- für die Beseitigung des Strassenmülls aus. Schlussendlich ist es der Steuerzahler, der diese Mentalität bezahlen darf.

SBB-Störung

Es nicht gerade passend (ok, wann ist es das schon ;-) ), wenn in Rebstein (also zw. Heerbrugg und Altstätten) eine Stellwerkstörung auftritt. Denke, viele “Rheintal-Pendler” waren heute morgen in der besten Zeit (7:00/8:00) davon betroffen. Doch bereits in Rorschach war für mich Endstation. 20 Minuten warten auf einen Regionalzug bis Heerbrugg, dort auf einen Bus umsteigen bis nach Altstätten. Und dort wieder in einen Regionalzug bis nach Buchs. Die Verspätung hat schlussendlich 45 Minuten betragen. Alle Passagiere haben es jedoch sehr gelassen genommen. Man hörte auch Voten à la “ich hätte ja sowieso nichts Gescheites gemacht in dieser Zeit”. Naja ;-) Meine verpasste Mechanik-Uebungslektion war zu verkraften, da es nur um das Lösen von Aufgaben ging, was auch Zuhause geht.

In solchen Situationen lernt man immer wieder interessante Leute kennen. So heute jemanden aus St. Gallen, der bei der Leica Geosystems in Herbrugg arbeitet (und somit die Busfahrt nicht in Anspruch nehmen durfte). Wir haben dann heute Morgen noch über Tokio und Japan gesprochen, da er dort kürzlich in den Ferien war. Abwechslung macht das Leben süss ;-)

Ich habe mich gefragt, was für solche “kleine Katastrophen” für eine Organisation vorhanden sein muss. Die Busse in Heerbrugg organisieren zum Beispiel (was aus meiner Sicht tadellos geklappt hat). Oder die Züge wieder an die richtigen Orte bringen, sie standen am Morgen ja dann irgendwo, nicht dort, wo sie sollten. Jedenfalls bin ich zufrieden: die Passagiere wurden immer informiert, und man hat das Ziel trotzdem noch in einer anständiger Zeit erreicht.

Rush Hour

Wenn kurz vor 18:00 ein Schnellzug in Romanshorn stehen bleibt, ist das ziemlich ärgerlich. Wenn die steckengebliebenen Pendler dann meinen, sie müssten alle den Thurbo (Regionalzug) Richtung Weinfelden/Zürich besteigen, kann das nicht gut gehen. Habe noch nie einen derart vollen Regio gesehen. Etliche Passagiere mussten in Romanshorn warten, da im Zug kein Platz mehr war. Die meisten haben es gelassen genommen. Und die gestresste Frau, die um Ihren Anschluss in Weinfelden bangte, hat ihren Ärger nach kurzer Zeit auch in ein Lächeln verwandelt. Ganz nach dem Motto: “gschäch nüt schlimmers”.

Aber das typische, klischee-hafte Bild einer vollgestopften, japanischen Bahn muss man mal erlebt haben ;-) Leider ist meine Digi-Cam heute aus unerklärlichen Gründen zuhause geblieben…

Zuverlässigkeit

S’Chanf ist eine kleine Ortschaft im Engadin, auf ca. 1660 m.ü.M. Ich bin 20 Minuten zu früh auf dem Bahnhof und vor meinem Zug fährt noch ein anderer Richtung Pontresina. Abfahrt gemäss Fahrplan um 13:25:00 Uhr. Um 13:24:30 Uhr kommen drei Frauen, die noch 40 Sekunden auf den Zug warten. Um 13:25:10 Uhr fährt der Zug los. Ein ausländlischer Tourist sähe sich Bestens in seinen Vorurteilen über die Schweiz bestätigt.

schanf
S-Chanf

Ausserdem überraschte mich der Natelempfang auf der Linie der Rhätischen Bahn (RHB). Sogar im Vereina-Tunnel (19 Km) habe ich immer vollen Empfang.

Update vom 25.6.05:
Im Zug von Landquart nach St. Gallen sehe ich ein ca. 8 jähriger Junge, der seiner Mutter begeistert erzählt, dass es bis St. Gallen noch 17 Minuten dauern würde. Ausserdem nennt er die zwei nächsten Haltestellen. Wahrscheinlich hat unsere Pünktlichkeit doch nichts mit Vorurteilen zu tun.