Kleinigkeiten

Vor einer Woche habe ich in St. Moritz einen Mercedes-Fahrer beobachtet, der sein Wagen mit Fr. 1.68.- teurem Bleifrei 95 betankt hat. Erstens: Was muss geschehen, dass einem solche Kleinigkeiten egal werden? Zweitens: Spielt hier der Markt zu wenig, dass die Preise derart teuer sind? Oder gibt es keine Nachfrage nach günstigerem Benzin?

tanken

Der Benzinpreis war zu diesem Zeitpunkt in unserer Gegend ca. Fr. 1.53.-.

Anstand und Moral

Ausgangslage ist eine Szene im Zug, wobei eine Gruppe von Leuten laut Musik hört. Andere Leute wollen im Zug lesen, sie fühlen sich gestört durch die Musik. Warum haben Menschen Respekt und Anstand, warum nehmen sie Rücksicht? Was ist die Motivation dazu? Denn im Grunde genommen hat man, rein egoistisch und subjektiv gesehen, nichts davon.

Erstens ist es sicher das Abwenden von Streit. Die meisten Leute haben keine Lust, über solche Banalitäten zu streiten. Zweitens ist es die stillschweigende Annahme, dass sich der Gegenüber in einer ähnlichen Situation ebenfalls rücksichtsvoll verhalten würde. Es ist die Hoffnung, dass der Gegenüber ebenfalls eine für beide akzeptable Lösung suchen würde. Zusammengefasst: nur wenn wir einen gewissen Grad an Respekt, Anstand und Rücksichtnahme an den Tag legen, ist ein friedliches Zusammenleben möglich. Und nur so können wir davon ausgehen, dass der andere in einer solchen Situation auch Verständnisvoll reagieren würde, also wir vom gegenseitigen Verständnis profitieren könnten. Soviel zur “meiner” Theorie.

Leider hat die beschriebene Situation in einem Streitgespräch über eben diese Werte und Fragen gemündet. Wer soll jetzt auf wen Rücksicht nehmen? Die Musiker auf die Leser oder gar umgekehrt? Jedenfalls bringt das Diskutieren über Anstand und Moral in dieser Situation wenig. Ein Kompromiss muss her. Oder, wie im beschriebenen Fall geschehen, es setzt sich eine Extremposition (Musiker) durch. Nun hoffe ich, ich habe hier einen Einzelfall beobachtet. Denn wenn diese Werte und Ansichten verloren gehen, wird unser Zusammenleben sicher erschwert.

PS: Beim weiteren Nachdenken über die Situation stosse ich auf ein Gedankenspiel: was wäre, wenn die Stille ebenfalls ein produzierbares Geräusch wäre? Und wir damit anderen “Lärm” übertönen könnten?

Die Sonne scheint

Das neue Album von Farin Urlaub mit dem Titel “Am Ende der Sonne” ist echt gelungen. Bereits beim Aufschlagen der CD freue ich mich. Denn als erstes sticht mir folgender Text in die Augen:

Und ob man schwitzt, und ob man friert, und ob man den Verstand verliert, ob man allein im Dreck krepiert, die Sonne scheint, als wäre nichts passiert.

Auf der ersten Seite des Booklets steht: “Ende”. Doch es gefallen nicht nur das Booklet und Cover. Neben tollen Melodien sind auch die Texte wieder gewohnt anregend. Beispielsweise der Song “Alle dasselbe”. Darin wird beschrieben, dass wir im Grunde genommen alle dasselbe anstreben und die Menschen gar nicht so unterschiedlich sind:

Wir wollen alle mehr oder weniger dasselbe – seit es Menschen gibt – nen Platz an der Sonne, genug zu essen, ein Bett – und jemanden, der uns liebt.

Ein weiteres Beispiel ist der Song “Kein Zurück”. Darin werden die Konsequenzen des Freitodes aufgezeigt:

Nie wieder Pech, nie wieder Glück, kein Kuss im Regen und kein Sonnenuntergang, mach dir klar, es ist wahr: es gibt kein zurück.

www.farin-urlaub.de

Alles ist relativ …

In der Weltwoche von letzter Woche aufgeschnappt:

Unter Analphabeten ist der Legastheniker König.

Globalisierte Welt

Ich habe eine Schachtel Pralinen bekommen. Darauf steht: belgische Pralinen. Ich betrachte die Packung genauer. Folgende Erkenntnis:
- Die Pralinen wurden in Belgien hergestellt
- Die Hersteller-Firma hat ihren Sitz in Frankreich (Adresse der Firma auf der Packung)
- Die Pralinen wurden nachweislich in Deutschland erworben
- Die Pralinen wurden in der Schweiz verspeist

Welche Wege dieses Produkt genommen hat, ist mir unbekannt. Das besondere ist nur, dass 4 Länder darin vorkommen. Ich denke, dass diese französische Firma in Belgien eine Produktionsfabrik besitzt, welche die Pralinen direkt nach Deutschland ausliefert.

PTT-Nostalgie

Im Bündnerland habe ich einen alten Kleber der ehemaligen PTT (Post, Telefon, Telegrafie) entdeckt. Die (gute?), alte Zeit, in der wir noch per Kabel zwischen Festnetz-Stationen kommuniziert haben, ist definitiv vorbei. :-) Seit 1997 ist PTT Geschichte.

ptt

Zuverlässigkeit

S’Chanf ist eine kleine Ortschaft im Engadin, auf ca. 1660 m.ü.M. Ich bin 20 Minuten zu früh auf dem Bahnhof und vor meinem Zug fährt noch ein anderer Richtung Pontresina. Abfahrt gemäss Fahrplan um 13:25:00 Uhr. Um 13:24:30 Uhr kommen drei Frauen, die noch 40 Sekunden auf den Zug warten. Um 13:25:10 Uhr fährt der Zug los. Ein ausländlischer Tourist sähe sich Bestens in seinen Vorurteilen über die Schweiz bestätigt.

schanf
S-Chanf

Ausserdem überraschte mich der Natelempfang auf der Linie der Rhätischen Bahn (RHB). Sogar im Vereina-Tunnel (19 Km) habe ich immer vollen Empfang.

Update vom 25.6.05:
Im Zug von Landquart nach St. Gallen sehe ich ein ca. 8 jähriger Junge, der seiner Mutter begeistert erzählt, dass es bis St. Gallen noch 17 Minuten dauern würde. Ausserdem nennt er die zwei nächsten Haltestellen. Wahrscheinlich hat unsere Pünktlichkeit doch nichts mit Vorurteilen zu tun.

Lola rennt

Einer der besten deutschen Filme ist meines Erachtens “Lola rennt”. Obwohl bereits einige Jahre alt (1998), nach wie vor ein genialer Film.

Es geht um einen Wendepunkt im Leben von Lola. Ihr Freund Manni hat 100’000 Mark verloren, sein Boss will das Geld in 20 Minuten zurückhaben. Manni will ein Geschäft ausrauben. Lola muss sich entscheiden. Sie muss handeln, reagieren. Was soll sie machen? Im Film werden 3 verschiedene Szenarien dargestellt. Bei den ersten beiden stirbt entweder sie oder ihr Freund Manni, die dritte Version ist das Happy-End. Interessant ist nun, dass alles Auswirkungen auf das Leben anderer hat. Die Aktionen der anderen Personen haben wiederum Auswirkungen auf die Möglichkeiten von Lola. Schlussendlich sieht man, dass die ganze Welt zusammenhängt.

Gut werden auch die anderen Personen dargestellt. Beispielsweise die erste Frau, die Lola beim vorbeirennen streift. Gerade danach wir das weitere Leben dieser Frau in kurzen Sequenzen abgespielt. Man sieht, jeder ist in der selben Situation. Und auch unsere Taten haben Auswirkungen auf das Leben der anderen.

Oder der Mann mit dem Fahrrad. Er fragt die rennende Lola, ob sie sein Fahrrad wolle. Sie lehnt ab. In kurzen Fotos sehen wir danach sein weiteres Leben, er wird er von anderen Personen (den Eigentümern des Fahhrads?) zusammengeprügelt. Er lernt daraufhin (im Spital?) eine Frau kennen, sie heiraten. Wenn Lola das Angebot angenommen hätte, hätte sein Leben ganz anders ausgesehen.

An dieser Stelle kann noch auf den sogenannten Butterfly-Effekt verwiesen werden. Dieser sagt aus, dass ein einziger Flügelschlag eines Schmetterlings das Wetter für immer verändern kann (http://en.wikipedia.org/wiki/Butterfly_effect)

Wenn wir uns überlegen, welche Auswirkungen unsere alltäglichen, kleinen Entscheidungen haben, sieht man, wie komplex unserer Welt ist. Das Ablehnen oder Annehmen eines Angebots kann diese Welt verändern. Lola rennt zeigt deutlich und spannend auf, zu was Zeit und Zufall fähig sind.

Wessen Glück ist grösser?

In der letzten Weltwoche (Nummer 11 vom 17. März) erschien ein Artikel über das Erforschen von Glück. Eine Passage scheint mir höchst interessant:

Letztlich müsste eine Regierung einfach die richtigen Daten erhalten, damit sie eine Politik macht, die ihren Bürgern grösstmögliches Glück verspricht. Das dürfte allerdings schon daran scheitern, dass kaum ermittelbar ist, was das gesamte Glück der Gesellschaft steigert. Wenn Homosexuelle heiraten dürfen, macht sie das glücklich, aber einer Reihe anderer Leute passt das nicht. Wessen Glück ist grösser? Ausserdem bleibt unklar, ob zwei dasselbe fühlen, wenn sie sagen, sie seien glücklich (…).

Ein lesenswerter Artikel mit interessanten Denkansätzen.

Wettbewerb und Menschen

Eine Diskussion mit einem Wirte-Ehepaar veranlasst mich, mir einige Gedanken zu Wettbewerb und Menschen zu machen. Und zwar hören sie nächsten Sommer mit dem Wirten auf. Die Präsenzzeit hat mich erstaunt, um 0800 morgens öffnet das Restaurant, die letzten Gäste gehen selten vor Mitternacht. Und das an 6 Tagen in der Woche. Freie Zeit bleibt kaum übrig. Auch muss noch ein Haushalt nebenbei geführt werden.

Ich habe Respekt vor solchen Menschen. Sie verkörpern echtes Unternehmertum, sie leben für das Unternehmen. Andererseits darf die Arbeit den Menschen auch nicht kaputt machen, Zeit für Erholung und sich selbst muss sein. Jeder selbständig Erwerbende weiss, dass er normalerweise mehr arbeitet als ein Angestellter, besonders in den ersten Jahren. Und Mindestarbeitszeiten, Arbeitnehmerschutz etc. gibt es (zum Glück) keine. Denn das würde die freie (und freiwillige) Entwicklung des Unternehmens stark gefährden.

Der Wettbewerb ist hart, auch im Gastgewerbe. Im beschriebenen Beispiel haben es die Unternehmer erreicht, die Umsätze zu steigern (zurzeit ca. 20-30 Mittagessen täglich). Das sei beim Vorgänger (ebenfalls Pächter) anders gewesen. Ich frage mich jedoch, ob der Ertrag den grossen Einsatz von Zeit rechtfertigt. Auch hier merke ich: diese Frage stellen sich echte Unternehmer nicht. Sie leben für ihre Unternehmung. Auch wollen Sie es ‘allen recht’ machen. Sprich: keine Kunden verlieren, auf deren Bedürfnisse eingehen usw. Da kann es schon vorkommen, dass man auf Kundenwunsch ausnahmsweise bereits um 0740 öffnet. Das ist bestimmt positiv, doch auch hier ist ein gesundes Mittelmass gefragt zwischen (eigener) Zumutbarkeit und Erfüllung der Kundenwünsche. Eventuell hängt sogar das Ueberleben der Unternehmung davon ab.

Wenn aufgrund eines Burn-Outs, extremem Schlafmangel usw. die Leistung abnimmt oder sogar auf 0 zurückgeht, ist der Schaden für die Wirtschaft grösser als wenn auch in andere Lebensbereiche genügend Zeit investiert wird.

Es ist zu hoffen, dass auch in Zukunft diese Art der Beschäftigung trotz (oder wegen?) grossem Einsatz attraktiv bleibt, ohne dabei Familie und Freizeit ganz zu vergessen. Dass die Ueberlebensrate von Neugründungen nach 4 Jahren bei 54% liegt zeigt auf, wie hart Wettbewerb sein kann (Meldung vom Bundesamt für Statistik).