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Kony 2012: Versuch einer Social Media Kampagne

Kony 2012: Versuch einer Social Media Kampagne

Zurzeit verbreitet sich ein ca. 30 minütiges Video im Web, das es anscheinend in sich haben soll:

Um was es geht: Der ugandische Kriegsverbrecher Joseph Kony treibt seit 20 Jahren sein Unwesen und (beinahe) niemanden interessiert es. Ein Hilfswerk hat es sich zur Mission gemacht, diesen Kriegsverbrecher zur Strecke zu bringen.

Ich bin ja ein grosser Anhänger emotionaler (Kurz-)filme. Und sicher hat der Film bewegende Szenen. Doch nach dem grossen Hype hätte ich mehr erwartet.

Doch das ist auch nicht das Wichtige. Es geht um etwas ganz Anderes, das ich kurz zusammenfasse:

Die neue Art der Politisierung
Wir beobachten es immer häufiger: Einen Grossteil der Menschen bewegt sich weg von traditionellen Parteien und Institutionen. Es findet eine Re-Politisierung der Gesellschaft statt. Die Menschen engagieren sich, übernehmen Verantwortung dort wo sie es für richtig halten. Kony2012 ist ein weiteres gutes Beispiel für diese Veränderung. Auch das Logo der umgekehrten Pyramide verdeutlicht das: Die Grosse Masse ist oben und nimmt Einfluss.

Social Media haben Power – und setzen Themen
Während früher die traditionellen Medien als Gatekeeper bestimmt haben, welche Themen uns zu interessieren haben, übernimmt das zunehmend die “crowd” (Masse). Es passiert beinahe täglich, dass ein bestimmtes Thema eine sehr grosse Aufmerksamkeit erhält. Nur weil eine signifikante Anzahl Leute es wichtig und relevant findet. Die Journalisten müssen nachziehen, nicht umgekehrt.

Wie es weitergeht
Gegen Ende des Films wird von einem internationalen Aktionstag gesprochen. Der findet am 21. April 2012 statt. In der Nacht auf diesen Samstag wollen die Anhänger der Kampagne weltweit möglichst viele Plakate aufhängen, um das Thema ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken. Auch hier wird versucht, eine Herausforderung zu meistern: Der Schritt von der Online- in die Offline-Welt, indem die Leute zu konkreten Taten motiviert werden. Ich bin gespannt wie sich das entwickelt und was für einen Einfluss die Kampagne noch gewinnen kann. Und natürlich: Was bleibt an Wirkung übrig?

Kritik
Die Aktion wird von vielen Seiten auch heftig kritisiert. Die Spendengelder sollen zu stark in die Administration und die Lobby-Arbeit fliessen.  Mehr zu diesen Vorwürfen in den beiden unten verlinkten Artikeln. Verteidiger sagen, dass gerade bei dieser Frage mit Lobbying mehr für die Sache erreicht werden kann (z.B. wenn die amerikanische Politik Militärbeobachter in die Region entsendet). Wer mich kennt weiss, dass auch ich eine kritische Haltung gegenüber Hilfwerken und “gutgemeinter” Hilfe einnehme. Bei diesem Beispiel fasziniert mich aber vor allem die Art und Weise der Kampagne und wie sich die westliche Gesellschaft verändert.

Fazit
Mit dieser Kampagne versuchen die Macher, via Social Media Grosses zu erreichen. Die bereits jetzt erreichte, sehr hohe Präsenz lässt den Schluss zu, dass dies funktioniert. Die Faktoren Emotionen und Betroffenheit scheinen zu mobilisieren. In der Offline-Welt ist die Kampagne jedoch noch nicht angekommen. Es bleibt interessant, ob und wie das gelingen wird.

Weitere Artikel zum Thema
Zeit Online: http://blog.zeit.de/netzfilmblog/2012/03/08/joseph-kony-2012-social-media-uganda-film/
Spreedblick: http://www.spreeblick.com/2012/03/07/kony2012-und-invisible-children/

Wer sich intensiver mit den erwähnten Veränderungen befassen will, dem sei der Beitrag von Dr. Prof. Peter Kruse empfohlen, in dem er sich anlässslich einer öffentlichen Anhörung zum Internet und der digitalen Gesellschaft äussert. Er stellt in seinem Paper 10 Thesen auf: Hier Download als PDF. Ich werde vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt noch ausführlicher darüber bloggen.

Benetton Unhate Campaign

Benetton Unhate Campaign

Bereits etwas älter ist die aktuelle Kampagne unhate von Benetton. Mit den unterschiedlichen, sich küssenden Menschen war den Machern die Aufmerksamkeit auf sicher.

Ich finde die Sache sehr gelungen und den Gedanken dahinter cool. Und es gibt auch die filmische Umsetzung der Idee:

Die Krux mit dem Verfechten

Am Wochenende wurde ich gefragt, was etwas verfechten bedeutet. Es ist wahrscheinlich eines der meist falschverstandenen Worte. Die zwei Personen waren gegenteiliger Ansicht. Ich bin mir sicher, dass es heisst, etwas zu verteidigen. Wenn ich ein Verfechter vom EU-Beitritt bin, will ich in die EU.

Dass man Verfechten mit dem Begriff “bekämpfen” gleichsetzt, kann ich noch verstehen. Nur ist es leider falsch. Ein Synonym wäre eher “verteidigen”.

Zufällig ist der Begriff gestern Montag erneut gefallen. Ein Kollege hat im Text eines Werbe-Flyers diesen Begriff vorgeschlagen. Als ich gesagt habe, dass dies mindestens 50% der Leute nicht oder falsch verstehen, haben wir das Wort wieder ersetzt. Es eignet sich nicht für den täglichen Gebrauch. Vorausgesetzt, man will von allen verstanden werden.

 

(c) Bild  by flickr/bichxa

Jason Fried: Why work doesn’t happen at work

Die legendären Ted-Konferenzen bringen immer wieder höchst interessante Referate. Jason Fried finde ich eine spannende Persönlichkeit. Seine Ansichten zur Arbeit und Organisation/Aufbau einer Firma sind alles andere als mainstream. So erklärt er in diesem kurzen 15-Minuten-Talk, warum Leute nicht gerne im Büro arbeiten. Mit drei coolen Tipps am Schluss für alle Manager :-)

Werbung: Auffallen für Gewürz

image

Es ist wahrscheinlich noch schwierig, für ein Gewürz Werbung zu machen. Ob jetzt billig oder nicht: Hauptsache, es fällt irgendwie auf…

Bundesrat sucht Stelle

Letzte Woche wurde in der Thurgauerzeitung eine ganze Seite mit Stellengesuchen abgedruckt. Abgesehen von dieser Aussergewöhnlichkeit ist ein Inserat besonders aufgefallen. Es ist nicht von einem amtierenden Bundesrat, sondern von einem zukünftigen:

Werbung: beauty is nothing without brains

Diese Mercedes-Werbung ist einfach cool:

Job: Nur für Frauen

Kürzlich ist mir ein Bild in die Hände gekommen, das ich während dem WK im Bündnerland gemacht habe. Und bemerkt, dass ich noch gar nicht darüber gebloggt habe. Und zwar hat ein Wirt jemanden (ursprünglich Geschlechtsneutral) für den Service gesucht:

jobinserat

Schwarz durchgestrichen sind die beiden Worte “einen oder” und der Schrägstrich am Schluss (vor in). Es ist klar: er hat sichs nochmals überlegt und will jetzt definitiv eine Frau. Und nein, ich fühle mich nicht diskriminiert.

Unwort

Seit das Flyer-Drucken nicht mehr so teuer ist, macht das (fast) jeder Chüngelizüchterverein. Und diese Flyers liegen bei uns dann in den Pausen jeweils herum. Kürzlich z.B. diesen hier:
saeso

Man betrachte einmal den Titel. Ungeübte Leser brauchen da sicher eine halbe Ewigkeit, um das zu verstehen. Dann: was soll der a nach dem dritten ä? Ok, kann man vielleicht mit dem Dialekt begründen. Aber trotzdem: ich fände richtiges Schriftdeutsch ansprechender. Ist aber bestimmt ansichtssache. Vielleicht mache ich mir auch zuviele Sorgen um unser standardisiertes, allgemein verständliches Kommunikationsmittel.

Zum Glück habe ich noch nie ein schweizerdeutsches Blog gesichtet. Entweder gehöre ich nicht zu deren Zielpublikum oder es gibt sie wirklich nicht.