Jul 25 2010

Song of the month: Griechische Musik

In diesem Monat war ich ja noch einige Tage im Norden Deutschlands unterwegs. Ich habe da auch griechische Kollegen besucht und wir haben uns auch wieder über Musik ausgetauscht – dabei bin ich auf einen Song aufmerksam gemacht worden, der in Griechenland seit letztem Dezember in den TopTen ist. Schnörkelloser Pop, optimal um Gedanken nachzuhangen. Zumal der Text für mich nicht verständlich ist.

Zum Text vielleicht noch: Entgegen der meisten griechischen Songs geht es hier nur am Rande um die Liebe. Die Botschaft ist etwa, dass keine Erwartungen vorhanden sind. Die besungene Person wird zwar geliebt, doch der Sänger lebt in seiner eigenen Welt. Er sieht es pragmatisch: Die Tage vergehen – morgen ist ein neuer Tag mit neuen Ideen.


Oct 17 2009

Athen: Kurz berichtet

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Stichwortartig weitere Eindrücke aus der griechischen Hauptstadt:

  • Kanalisation: ist nicht so das wahre. Ich habe mich jedoch schon daran gewöhnt, dass das Klopapier in den Kübel daneben und nicht in den Abfluss gehört.
  • Zeit: ich gewisse Leute haben permanent 10-15 Minuten Verspätung haben. Ich kann es zwar ohne Probleme akzeptieren, aber nicht ganz nachvollziehen. Lösung ist, immer was zu lesen dabei zu haben.
  • Wurde gefragt, wo man in Athen Schokolade kaufen kann. Was man nicht alles erwartet. Noch lebe ich von swiss chocolate. Reicht voraussichtlich noch 1 Woche :-)

Wir haben im Hotel einen Muslim (aus Usbekistan). Ich habe das Gefühl, mit ihm relativ gut auszukommen (im Gegensatz zu einigen Frauen) Auch bei aus meiner Sicht völlig wirren Ansichten versuche ich, den nötigen Respekt vor seiner Religion und Kultur zu bewahren. Denn darauf gründet hauptsächlich sein Weltbild. Und das ist doch ziemlich verschieden:

  • Die Stellung der Frau muss ich nicht erwähnen – ihre Aufgaben sind klar verteilt (Kinder erziehen, Haushalt). Er findet zwar auch, dass Frauen eine gute/hohe Bildung haben sollten. Aber nicht, um das Wissen für die Wirtschaft einzusetzen. Sondern um diese Bildung den Kindern weiterzugeben.
  • Er hat auf dem Laptop Bilder seiner Heimt gezeigt. Als Bilder an der Reihe waren, auf denen seine Schwester abgebildet war, musste ich weg. Er darf männlichen Personen keine Bilder seiner Schwester zeigen bzw. will es nicht. Frauen durften weitersehen. Ich habe kein Problem damit, verwundert hat es mich doch. Ein Mann zeigt nicht Bilder seiner Schwester vor anderen Männern (wenn sie es auf Facebook selber macht, sei das anscheinend etwas anderes).
  • Homosexualität ist schlicht illegal.
  • Er hatte eine Freundin. Er hat sie verlassen, obwohl er sie geliebt hat. Der Grund: sie hat ihm gesagt, dass sie nicht mehr Jungfrau ist. Ein absolutes nogo für ihn.
  • Er bewundert die Schweiz, Deutschland und Russland. Alle anderen Länder sind in seiner Ansicht weniger wert. Er kauft z.B. eine Digitalkamera nur in einem dieser Länder. Er glaubt, dass auch chinesische Hersteller ihre besten Produkte in diese Länder exportieren. Und nicht in sein Land.

Es gibt Leute, die versuchen mit ihm, darüber zu diskutieren und umzustimmen. Das bringt meines Erachtens nichts. Wir können anderen Leuten nicht unsere Kultur aufzwängen. Die Globalisierung bewirkt ganz automatisch, dass wir immer ähnlicher werden. Wenn auch gewisse Unterschiede bleiben, was ich absolut spannend finde. Ich versuche, ihn und seine Denkweise zu verstehen. Auch wenn mir das manchmal sehr schwer fällt.


Sep 29 2009

Athen: Von Unruhen und kleinen Problemen

Vorweg: es geht mir blendend. Mein Eindruck dieser Stadt ist positiv, und insbesondere die Arbeit ist spannend und lehrreich. Somit kann ich mich nicht beklagen. Wieder kurz meine Erlebnisse und Gedanken der vergangenen Tage:

Mein Hotel liegt, wie schon angetönt, im wahrscheinlich problematischsten Stadtteil von Athen. Es ist die Hochburg der Anarchisten. Letzte Woche hat sich dies in wüsten Strassenschlachten geäussert. Ein lauter Knall, Feuer mitten auf der Strasse, brennende Container und vermummte Chaoten, die umher ziehen. Trotzdem haben wir uns an diesem Abend nach draussen gewagt. Das Risiko ist trotz allem klein. Der Unmut dieser Leute richtet sich gegen das System, die Regierung und die Polizei (die einen Tag zuvor fünf dieser Querulanten ins Gefängnis gesteckt hat).

Weiters habe ich schon das Drogenproblem angesprochen. Sicher, ich komme eher vom Land;-) Aber auch in Zürich kennen wir meines Wissens die offene Drogenszene nicht (mehr?). Jedenfalls sieht man Spritzen regelmässig. Als wir in der Nacht von Freitag auf Samstag heimgelaufen sind, haben wir gleich drei Junkies gesehen, die gleich die Spritze angesetzt haben. Das hat mich ziemlich schockiert. Ich habe das noch nie in meinem Leben mit meinen eigenen Augen gesehen, dass sich sowas einige Meter neben mir ereignet. Das hat mir dann auch am Wochenende doch noch etwas zu Denken gegeben. Doch heute habe ich dies schon um 19 Uhr wieder gesehen, als ich von der Arbeit zurück gekehrt bin. Tragisch, aber es wird schon langsam Alltag. Die Polizeipräsenz ist vorhanden, doch die wollen/können/dürfen nicht viel unternehmen. Die stehen meist in Gruppen von 5-6 uniformierten zusammen und unterhalten sich. Immer noch besser als wenn niemand da wäre. Heute haben sie etwa zu 10 eine Person gefilzt. Auch eine Sicht von Teamwork.

Kommen wir zu etwas Erfreulicherem: der Metro. Alle drei Minuten fährt während dem Tag ein Zügli in jede Richtung. Eine tolle, zuverlässige Sache. Genau darum kann ich auch die Leute nicht verstehen, die zu rennen beginnen, wenn sie eine Metro einfahren hören, aber noch auf der Treppe stehen. Für diese drei Minuten würde ich keine einzige Schweissperle riskieren.

Ganz anders sieht es mit der Zeit allgemein aus. Da musste ich ganz anderes wieder lernen: wenn man sich verabredet ist eine Verspätung von 50 Minuten kein Drama. Da sind wir (mit den Deutschen) wahrscheinlich die einzigen auf der Welt, die das etwas enger sehen. Denn die Zeit ist hier relativ. Wenn man etwas abmacht, ist das eher so ein Richtwert.

Das Hotel ist, naja, für Studenten gedacht. Nicht wirklich luxuriös, aber es ist sauber, hat ein Bett und einen Balkon (meine Ansprüche sind sonst bescheiden). Dazu gehört auch ein Gemeinschafts-Kühlschrank. Dieser steht im Gang und jeder kann dort Essen etc. reinstellen. Daran hängt ein handgeschriebener Zettel mit der Bitte, nicht den Food anderer zu konsumieren. Nun ich dachte, das sei kein Problem. Doch weit gefehlt: es wird schon mal geklaut, wenn ein Hüngerchen plagt. Wie letztes Mal erwähnt, ist die Grosse Mehrheit der Gäste Models. Und ich bin mir fast sicher, dass es diese mit dem Besitz nicht so ernst nehmen. Doch ich habe meine Einstellung wie folgt definiert: wenn sie mein kleines Stückchen Käse klauen wollen, ist das ganz ok. Ich rede mir ein, dann etwas gegen den Hunger auf der Welt zu machen. Sozusagen eine gute Tag, denn manchmal sehen diese Gestalten schon etwas gar mager aus. Ein Diebstahl wird so zur reinen Wohltat. Ach ja, meine süssen Vanille-Puddings sind völlig sicher, die haben das ganze Wochenende im Kühlschrank überlebt. Komisch :-)

Nochmals etwas ganz tolles an Griechenland: die book&coffe shops. Das sind Cafes die noch eine mehr oder weniger grosse Bibliothek im Haus haben. Da wird lesen mit Kaffe-Trinken auf wunderbare Weise kombiniert. Die Atmosphäre ist sehr gemütllich. Nur verstehe ich diese Bücher natürlich nicht.

Die obigen Worte sind schon wieder zwei Tage alt. Das mit der Internetverbindung ist noch nicht so erfreulich, die Verfügbarkeit ist etwas tief hier (für meine Verhältnisse). Und während der Arbeit kann ich ja auch nicht alles erledigen. Dafür habe ich für den nächsten Bericht schon wieder einige Punkte zusammengetragen. Mein Gedächtnis wird gefordert. Denn habe eigentlich nichts vergessen mitzunehmen, ausser des Bloggers Werkzeug Nr. 2: ein Schreiber. Jetzt mache ich Gedächtnistraining nach einer bekannten Methode, die erstaunlich gut funktioniert. Ev. schreibe ich später einmal darüber.

Fortsetzung folgt…


Sep 22 2009

Athen: Anreise und erster Tag

090921_athen_overviewAm Sonntag bin ich nach Athen geflogen. Ich werde die nächsten zwei Monate hier leben und arbeiten. Und natürlich auch regelmässig über meine Erfahrungen, Beobachtungen und Erlebnisse berichten/bloggen.

Die Hinreise verlief ohne Komplikationen. Die Erlebnisse stichwortartig:

  • problemloses check-in am Vorabend und Ausdruck der Boarding-Karte. Kein Anstehen bei der Gepäckaufgabe. Perfekt.
  • schwerbewaffnete Zöllner, die einen Mann suchen (Zitat Shop-Verkäuferin: er war gerade noch hier, jetzt weiss ich nicht, wo er ist)
  • deutsches Servier-Personal, das mich mit einem gequälten Grüzi begrüsst (müssen die das sagen?)
  • die irische Damen-Fussball-Nationalmannschaft auf Shopping-Tour in der Duty-Free-Area (Zitat Kiosk-Verkäufer: We are not the swiss money bank. We only accept one and two euro coins.)
  • eigentlich kein WLAN vor dem Gate (nichts mit twittern oder facebook status updaten). Aber bin mich ja ans offline-bloggen gewöhnt ;-)
  • dämlichste Art, wie man mit der Flight Attendent ins Gespräch kommt: Wie oft sind Sie schon geflogen? (Fluggast vor mir)

Auch in Athen hat bis jetzt alles bestens geklappt. Jedenfalls hatte ich eine Schlafgelegenheit:

  • Lichtsignale sind nicht für die Fussgänger gemacht. Durchschnittliche Zustand Grün: 5 Sekunden
  • Rush-Hour: von 9 bis 10 am Morgen
  • im zentralen Park gibt es gratis WLAN. Im Gegensatz zum Hotel, in dem sie eine komplizierte Einrichtung haben und dafür auch noch Geld wollen.
  • Helm-Pflicht für Motorräder: soll es angeblich geben. Nach meiner Einschätzung halten sich etwa 60-80 Prozent daran. Was doch für unsere Verhältnisse sofort auffällt.
  • Wahlkampf: am 4. Oktober sind Wahlen. Die Amerikanisierung ist im vollen Gang. In der Schweiz kennen wir das zum Glück noch nicht so stark. Das Internet wird jedoch auch bei uns eine immer stärkere Bedeutung einnehmen. Aber die grossen, pompösen Wahlveranstaltungen sind doch erher ungewohnt. Da sind mir die einfachen Stände der kleinen Parteien doch etwas sympathischer.
  • Die Mentalität ist schon verschieden. Zeit hat eine andere Bedeutung. Schon das Mail letzte Woche von meinem Arbeitgeber hat mich erstaunt. Auf meine Frage, wann am Montag begonnen wird, antwortete er, ich könne kommen, wann ich wolle (any time). Auch am ersten Tag wurde kein grosser Druck aufgebaut. Ich hätte “plenty of time”. Ob das nur bei staatlichen/halbstaatlichen Unternehmen oder auch in der Privatwirtschaft so vor sich geht?
  • in gewissen Vierteln hat die Stadt ein mittleres Drogenproblem. Mein Arbeitskollege hat mir auch geraden, mich in diesen kleineren Parks nicht aufzuhalten.
  • die Griechen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Wie fast jedes Volk, wenn man sich mit den richtigen Leuten abgibt.
  • in Athen sind zurzeit noch Fashion-Weeks. Im Hotel sind neben mir ca. 20 männliche und 30 weibliche Models untergebracht. Jedenfalls feiern diese relativ gerne, wenn sie nicht gerade an irgendwelchen Castings oder Fotoshootings teilnehmen. Bin also der Exot hier im Hotel ;-)

Weitere Berichte folgen wie immer nach meinem Bedürfnis ;-)