pendler und zug

Unter Pendlern…

Seit Montag bin ich neu nicht nur Student. Ich bin auch wieder Pendler. Interessant ist die Tätigkeit des Pendlers. Hierzu eine kurze, subjektive Erhebung von heute morgen (Betrachtung von vier Abteilen im Thurbo zwischen Amriswil und Romanshorn um ca. 0650 Uhr):
70% lesen 20-Minuten
20% lesen sonst etwas sehr Wichtiges
10% beobachten (meine Wenigkeit)

Ich beginne morgen wahrscheinlich auch mit der Pendler-Tätigkeit Nr. 1. Zum Glück dauert meine Zugfahrt länger als 20 Minuten. So bleibt sicher noch Zeit für andere, sinnvolle Tätigkeiten ;-)

Anstand und Moral

Ausgangslage ist eine Szene im Zug, wobei eine Gruppe von Leuten laut Musik hört. Andere Leute wollen im Zug lesen, sie fühlen sich gestört durch die Musik. Warum haben Menschen Respekt und Anstand, warum nehmen sie Rücksicht? Was ist die Motivation dazu? Denn im Grunde genommen hat man, rein egoistisch und subjektiv gesehen, nichts davon.

Erstens ist es sicher das Abwenden von Streit. Die meisten Leute haben keine Lust, über solche Banalitäten zu streiten. Zweitens ist es die stillschweigende Annahme, dass sich der Gegenüber in einer ähnlichen Situation ebenfalls rücksichtsvoll verhalten würde. Es ist die Hoffnung, dass der Gegenüber ebenfalls eine für beide akzeptable Lösung suchen würde. Zusammengefasst: nur wenn wir einen gewissen Grad an Respekt, Anstand und Rücksichtnahme an den Tag legen, ist ein friedliches Zusammenleben möglich. Und nur so können wir davon ausgehen, dass der andere in einer solchen Situation auch Verständnisvoll reagieren würde, also wir vom gegenseitigen Verständnis profitieren könnten. Soviel zur “meiner” Theorie.

Leider hat die beschriebene Situation in einem Streitgespräch über eben diese Werte und Fragen gemündet. Wer soll jetzt auf wen Rücksicht nehmen? Die Musiker auf die Leser oder gar umgekehrt? Jedenfalls bringt das Diskutieren über Anstand und Moral in dieser Situation wenig. Ein Kompromiss muss her. Oder, wie im beschriebenen Fall geschehen, es setzt sich eine Extremposition (Musiker) durch. Nun hoffe ich, ich habe hier einen Einzelfall beobachtet. Denn wenn diese Werte und Ansichten verloren gehen, wird unser Zusammenleben sicher erschwert.

PS: Beim weiteren Nachdenken über die Situation stosse ich auf ein Gedankenspiel: was wäre, wenn die Stille ebenfalls ein produzierbares Geräusch wäre? Und wir damit anderen “Lärm” übertönen könnten?

Zuverlässigkeit

S’Chanf ist eine kleine Ortschaft im Engadin, auf ca. 1660 m.ü.M. Ich bin 20 Minuten zu früh auf dem Bahnhof und vor meinem Zug fährt noch ein anderer Richtung Pontresina. Abfahrt gemäss Fahrplan um 13:25:00 Uhr. Um 13:24:30 Uhr kommen drei Frauen, die noch 40 Sekunden auf den Zug warten. Um 13:25:10 Uhr fährt der Zug los. Ein ausländlischer Tourist sähe sich Bestens in seinen Vorurteilen über die Schweiz bestätigt.

schanf
S-Chanf

Ausserdem überraschte mich der Natelempfang auf der Linie der Rhätischen Bahn (RHB). Sogar im Vereina-Tunnel (19 Km) habe ich immer vollen Empfang.

Update vom 25.6.05:
Im Zug von Landquart nach St. Gallen sehe ich ein ca. 8 jähriger Junge, der seiner Mutter begeistert erzählt, dass es bis St. Gallen noch 17 Minuten dauern würde. Ausserdem nennt er die zwei nächsten Haltestellen. Wahrscheinlich hat unsere Pünktlichkeit doch nichts mit Vorurteilen zu tun.