pendler und zug

Frühling: Frauengespräche

Wiedermal im Zug :-)

Sie: Ich bin daran, wieder abzunehmen.

Sie 2: Ich hab das anders gelöst. Ich hab neue Kleider gekauft.

Verschiedene Menschen, verschiedene Lösungen…

Freude auf die Pension

rentner

(c) by ovit / flickr.com

Diese Woche haben sich im Zug drei Pensionäre zu mir gesetzt. Und dann begann eine höchst interessante Diskussion. Ich vermute, es waren ehemalige ETH-Professoren. Jedenfalls haben sie sich über allerlei wissenschaftliche Gebiete unterhalten. Unter anderem, aus was das Leben besteht, Biologie, Physik, Mathematik. Sie haben sich über die neusten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse in diesen Bereichen unterhalten. Anschliessend folgte eine spannende Diskussion über Einsteins bekannte Theorie. Der eine fragte, ob die bekannte Formel e=mc^2 auch für kleine Geschwindigkeiten, beispielsweise für diesen Zug gültig sei. Der andere konnte antworten: “Ja, der Zug hat eine leicht höhere Masse, wenn er fährt als wenn er stillsteht. Die ist jedoch minimal. Erst wenn die Geschwindigkeit über ca. die Hälfte der Lichtgeschwindigkeit kommt, schenkt es langsam ein. Die Lichtgeschwindigkeit ist ja im Quadrat in der Formel enthalten.”

Ich war begeistert: normalerweise amüsiere ich mich über niveaulose Diskussionen und triviale Alltagsprobleme und Sorgen. Diesesmal war das Gegenteil der Fall.

Ich freue mich auf die Pension, auch wenn ich schätzungsweise noch ca. 40 Jahre davon entfernt bin. Dann hat man Zeit (so stelle ich mir das zumindest sehr naiv vor), sich den ganzen Tag mit neuen Gebieten zu beschäftigen, die einem beruflich eigentlich nicht weiterbringen. Vielleicht sollten wir uns jedoch auch im erwerbsfähigen Alter öfters in Gebiete vertiefen, die offensichtlich keinen unmittelbaren Nutzen bringen. Just for fun.

Da kommt mir gerade die Kolummne von Kurt Zimmermann in der aktuellen Ausgabe der Weltwoche in den Sinn. Darin beschreibt er ein Experiment, in dem er einige Monate ohne Zeitung und Information gelebt hat. Er meinte, es hätte ihm nichts gefehlt. Sein Fazit: die täglichen News sind absolut nutzlos. Nun auch hier bin ich der Meinung, dass alltägliche Berichte über die Welt und die Gesellschaft einen Nutzen bringen. Neben der Grundlage als Gesprächsstoff erweitert es den Horizont. Und sie unterhalten uns, was für mich Nutzen genug ist. So wie die drei älteren Herren kürzlich im Zugsabteil.

Berufswunsch Kindergärtner

Habe heute eine Diskussion im Zug zwischen zwei ca. 10 Jährigen Knaben mitangehört:

1: Was willsch mal werde?
2: Koch. Oder Kindergärtner.
1: haha
2: Und was denn du?
1: KV natürlich
2: KV isch huere langwilig. Do hängsch es jo nur umenand. Chasch grad so guet id Kanti.
1: I letschter Ziit han ich eh huere de durchhänger…

Mann war das witzig…

Zug-Läufer

Wer die Wahl hat...

Heute schreibe ich über eine interessante Spezies Mensch. Es sind Mitmenschen, die es zu ihrem Ziel gemacht haben, den optimalsten Platz im Zug zu ergattern. Und das zu jeder Tageszeit, sprich: nicht nur in der grössten Rush-Hour, sondern auch mitten im Tag, wenn die Züge halb leer verkehren.

Das äussert sich dann so, dass oft durch den ganzen Zug gelaufen wird. Die Entscheidung, welchen Sitz man belegen soll, kann bei diesen Leuten sogar in einem fast leeren Zug ein esentielles Problem darstellen. Die meisten Leute pflegen keine Konversationen mit fremden Mitmenschen im Zug. Das ist von mir aus ok. Aber dass sie um jeden Preis alleine in einem Abteil sitzen wollen, das kann ich nicht wirklich begreifen. Der Aufwand wäre es mir nicht wert.

Man muss nicht immer alles verstehen :-)

Pendlergespräche

pendlerGespräche im Zug sind etwas vom Interessantesten, was es gibt. Ich habe schon öfters darüber gebloggt. Menschen sind da teilweise erstaunlich offen und geben Informationen aus ihrem persönlichen Leben bekannt. In letzter Zeit haben sich drei Erlebnisse angesammelt, ich mache aus Zeitgründen einen Post daraus.

Es geht um diese drei Gespräche:

Das Unverschämte
Da sitzt eine junge Frau (mit Migrationshintergrund, jedoch Deutschem) alleine im Abteil und telefoniert mit ihrem (vielleicht) künftigen Arbeitgeber. Sie bittet um die Verschiebung eines Vorstellungsgespräches, ihr sei ein Termin dazwischen gekommen. Nachdem ihr versprochen wurde, dass der Chef zurückruft, macht sie ein neues Telefonat. Dieses mal mit dem aktuellen Arbeitgeber. Sie erzählt gerade, dass sie schwanger ist. Toll, denke ich. Der neue Arbeitgeber wird sich bestimmt über diese freudige Nachricht freuen ;-)

Das Jugendliche
Am Morgen pendle ich diese Woche öfters auf einer Bahn-Linie, die an einer Berufsschule vorbeiführt (Schule für Detailhandel und einige technische Berufe, soviel ich weiss). Jedenfalls hat es immer viele Lehrlinge im Zug. Diese Woche war interessant: im einen Abteil drei Frauen und einen Mann (Lehrlinge), im gegenüberliegenden Abteil drei Männer zw. 40 und 50. Die Jungen haben sich sehr offen über das Thema Pillen unterhalten. Die Mädchen haben erzählt, welche sie nehmen (“die Jasmin ist ungefährlich”), welche Erfahrungen sie gemacht und welche Aengeste sie haben etc.. Der Junge hat wenige Fragen gestellt und “aktiv” zugehört. Die Beobachtung der Männer daneben war höchst interessant. In ihrer Jugend hat es diese Gespräche wahrscheinlich nie gegeben. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, sie hätten teilweise selbst noch was Neues mitbekommen, so erstaunt haben sie teilweise ausgesehen.

Das Schockierende
Ich merke, dass ich nicht mehr die Jugendsprache spreche (obwohl ich mich ja noch nicht alt fühle). Aber kürzlich habe ich ein Telefongespräch mitgehört. Da hat ein junger Mann (wahrscheinlich auch mit Migrationshintergrund) einen Kollegen angerufen. Der erste Satz: “Hey verdammti Ratte, wo gosch?”. Ich stufte diesen Ausdruck ziemlich hart ein. Aber scheinbar kann man das heute auch zu guten Kollegen sagen. Auf den Ton kommt es an ;-)

Pendeln im ÖV ist eine coole Sache. Ich möchte darauf eigentlich nicht verzichten, auch wenn es einige kostbare Minuten meines Lebens kostet. Die Unterhaltung ist es mir wert :-)

20min-Umfrage zum Botellon

20Minuten online hat manchmal das Bedürfnis, mittels Umfragen die Meinung der User abzufragen. Zwar nicht repräsentativ, aber trotzdem gibt es dann schöne Diagramme einige Tage später in der Print-Ausgabe. Heute hat es nette Fragen zum Thema Botellon gegeben. Und zwar folgende, höchst interessante Frage 7:

Umfrage 20min

Unglaublich, wie differenziert man hier antworten kann. So stark, dass ich die Antworten zwei mal lesen musste, um die Unterschiede zwischen den verschiedenen, sehr geistreichen Antworten zu erfassen (in meinen Ohren tönt alles gleich). Pech hat, wer gegen diese Besäufnisse ist. Er kann nur die mittlere Antwort wählen. Aber eben, der Journi wollte wahrscheinlich, dass die “Meinung” in seinem Sinne (=alles übertrieben, gar nicht so schlimm) ausfällt. Wenn 80% der möglichen Antworten diese Haltung einnehmen, stehen die Chancen für sein Wunschresultat nicht schlecht. Wir werden sehen…

Zug-Ausfall: kein Wunder

Der Rheintal-Express ist heute einmal ausgefallen. Grund: ein Lok-Defekt. Ich hab Verständnis: wenn das wahrscheinlich älteste in der Schweiz eingesetzte Rollmaterial im Einsatz ist, kann das vorkommen. Zudem: auf der Linie St. Gallen – Chur ist nirgends Zürich dazwischen. Darum reichen diese Wagen völlig aus…

Ausfall Zug

Die Züge werden bestimmt einmal ersetzt. Denn es sind noch Wagen im Einsatz, bei denen man Fenster runterlassen kann (jaja, früher, als wir noch jung waren, war das gang und gäbe):

Rheintal-Express

Aber gerade in dieser (heissen) Zeit wünscht man sich eher einen klimatisierten Wagen als Nostalgie. Es sind nämlich nicht nur Bergler und Wanderfreunde auf diesem Zug, die ins Bündnerland wollen.

Pünktlichkeit

Die Züge der SBB sind ja (meistens) pünktlich. Trotzdem lässt die Information der SBB kaum zu wünschen übrig. In Buchs habe ich diese Woche mehrmals beobachtet, wie sogar eine Verspätung von lediglich einer Minute angezeigt wird:

eine minute verspätung

Da kann ja niemand mehr nervös werden, mit all diesen exakten Informationen. Ich werde heute einmal schauen, wie es mit dem Flug nach Irland aussieht. Doch auch hier können mich allfällige Verspätungen und Wartezeiten nicht aus der Ruhe bringen (die empfohlene Abfertigungszeit wird mit 2.5 Stunden angegeben).

PS: Gestern sind wir übrigens bereits nach Kairo geflogen ;-) Sehr empfehlenswerte und spezielle Atmosphäre.

Zug-Durchsagen selfmade

Normalerweise sind die Durchsagen in unseren Thurbo-Regionalzügen ab Band. Die nette Dame erklärt uns, wo wir gerade sind und wo wir ggf. umsteigen müssen. Am Rande bemerkt: zwischen Weinfelden und Winterthur ist es eine andere Frau als zwischen Rorschach und Weinfelden bzw. Romanshorn und Kreuzlingen.

Einige Lokführer sind sehr gut gelaunt. Entweder wissen sie das mit der automatischen Durchsage nicht oder sie sind einfach nur freundlich. Gestern Abend gegen 19:30 war ein besonders Freundlicher unser Lokiführer. Als der Zug in Kreuzlingen einfährt, sagt die Frau wie gewohnt: “Wir treffen in Kreuzlingen ein. Dieser Zug fährt weiter nach Stein am Rhein, Schaffhausen”. Kurz danach richtet sich der Lokführer an uns. Er klärt die Passagiere über die zur Verfügung stehenden Anschlüsse nach Weinfelden und Konstanz (inkl. Gleisangabe) auf. Ausserdem sagt er zum Schluss:

“Kommen Sie sicher und gut nach Hause. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und eine angenehme Nachtruhe.”

Ein grosses Schmunzeln ist durch den Wagon gegangen. Der nette Mann hat wenigstens einigen ein Lächeln aufs Gesicht gebracht und die “eigenbrödlerische” Stimmung, die sonst normalerweise in den Zügen herrscht, etwas aufgelockert.

Das sind kleine Dinge, die mich immer mehr zu einem Thurbo-Fan machen lassen.

Belehrungen

Im Zug sieht man allerhand. Kürzlich hat sich gegenüber von mir ein Herr mittleren Alters (ca. 40-45) hingesetzt. Plötzlich beginnt er, mit seinen Fingern in seinen Nasen zu bohren. Anschliessend führt er sie zum Mund. Mich ekelt es, ich schaue zum Fenster hinaus.

Und stelle mir die Frage, inwiefern öffentliche oder allgemein Belehrungen gegenüber erwachsenen Menschen “erlaubt” sind. Oder wäre ein dezenter Hinweis auf das Fehlverhalten in Ordnung? Wie hätte ich mich verhalten sollen? Es gibt Leute, die sagen, das seien erwachsene Personen und das gehe mich nichts an. Andererseits: müssen wir solche Dinge im öffentlichen Raum dulden?

Ich versetze mich in die beschriebene Person. Angenommen, ich hätte ein unhöfliches Verhalten, das mir nicht bewusst ist (ich gehe einmal davon aus, im erwähnten Fall sei das so). Ich würde es begrüssen, meine Mitmenschen wären so ehrlich, und würden mich darauf hinweisen. Doch im beschriebenen Fall habe ich da meine Hemmungen. Die Person ist sicher 20 Jahre älter als ich. Ich habe mir überlegt, eine Frage wie “Brauchen Sie ein Taschentuch?” zu stellen. Oder wäre das “frech”? Ich weiss es nicht.

Vielleicht muss ich einfach einmal eine solche Erfahrung machen und meine Gedanken ausdrücken. Ich gebe zu, es braucht etwas Mut. Unhöflichkeiten gibt es aber genug. Doch ich möchte schlussendlich auch nicht als “Polizist” dastehen, einen Streit über eine Kleinigkeit vom Zaun reissen oder den Menschen persönlich angreifen. Sondern nur auf Dinge hinweisen, die selbstverständlich sein sollten.

Beim Nasenboren dürfte das noch einfacher sein, da das Verhalten gesellschaftlich verpönt ist. Aber was ist z.B. mit dem Hochlagern von Füssen auf das Polster im Zug? Das stört heutzutage nun wirklich niemand mehr. Was, wenn sich die Person weigert, eine Zeitung darunter zu legen? Vor solchen Konflikten habe ich Respekt. Und ich denke, die Meisten verbergen dadurch ihren Unmut. Und schauen weg. Anschliessend beklagen wir uns über fehlende Zivil-Courage und schlechte Sitten. Ich bin überzeugt, es fängt im Kleinen an.