Das perfekte Leben mit perfekten Informationen

Informationsüberflutung war im Blogpost letzte Woche schon Thema am Rande. Ich denke tatsächlich, dass wir eine tiergreifende Optimierung benötigen. Dass wir genauer deklarieren, welche Informationen und Inhalte uns interessieren und welche nicht. Massgeschneiderte Informationen sozusagen.

Beispiel Websites

Bei Blogs ist mir kürzlich aufgefallen, wie visuell ansprechend der Leser über die Länge der Beiträge informiert wird:

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http://blog.hootsuite.com/hated-social-media-tactics-that-can-benefit-your-business/

allfacebook-minutes-left

http://allfacebook.de/features/graph-api-v2-1-neue-version-der-facebook-api-veroeffentlicht

Mir gefällt diese Information. Was bei einem Buch aufgrund der Stelle, wo man sich gerade befindet, offensichtlich ist, wird mit solchen Elementen auch auf Websites nachgebildet. Auch die Kindle-Apps von Amazon zeigen ähnliche Informationen an. Meinem Eindruck nach wird dabei sogar die Lesegeschwindigkeit ermittelt und so der Wert noch genauer an die persönliche Verhalten angepasst.

Beispiel öffentlicher Verkehr

Auch die SBB verbreiten mit Lautsprecherdurchsagen diverse Informationen. Was ich früher nur aus dem Ausland kannte, wird seit geraumer Zeit auch in der Schweiz praktiziert: Die Information, auf welcher Seite sich der Ausstieg befindet. Ich bezweifle, dass dies notwendig ist. Im Gegenteil: Man muss sich diese an sich unnütze Information während mehreren Minuten merken. Während mit einem Blick aus dem Fenster zur richtigen Zeit diese Information weitaus ökonomischer zu beschaffen wäre. Die Durchsagen, auf welchem Gleis die Anschlusszüge verkehren, mag für Gelegenheitsreisende wichtig sein. Für den Ruhe suchenden Pendler jedoch nicht.

Muss das Angst machen?

Als ich kürzlich mit einer Kollegin über dieses Thema sprach äusserte sie Besorgnis. Es mache ihr Angst, dass das Leben immer perfekter werde, immer über alle Eventualitäten informiert und für Probleme Lösungen geboten würden, von denen wir noch gar nichts wissen. Mit dieser Flut an Informationen können wir vielen möglichen Gefahren und Situationen ausweichen. Jedoch entsteht ein gläserner Eindruck. Ich habe immer noch die (möglicherweise irrige) Annahme, ich könnte die vorhandenen Informationen über mich oder mein Verhalten kontrollieren.

Wie könnte es weitergehen?

Wie angetönt gäbe es weitere Optimierungsmöglichkeiten, die Informationen zielgerichteter zur Verfügung zu stellen. Wie wäre es, um beim Beispiel Zugsdurchsagen zu bleiben, wenn die Informationen für alle auf ein absolutes Minimum reduziert würden. Wer mehr wissen will, kann mit stark personalisierten Apps einstellen, welche Infos auf dem Smartphone zusätzlich angezeigt werden (Ausstiegsseite, weitere Verbindungen etc.). Das hätte den Vorteil, dass wir genau die Informationen erhalten, welche gewünscht sind, in der richtigen Sprache. Es hätte jedoch auch Nachteile: Wir hören noch weniger französisch, wir haben noch weniger Kontakt zum Zugpersonal und das Leben würde noch perfekter und durchgeplanter. Wollen wir das? Oder brauchen wir die kleinen Überraschungen und Ungewissenheiten im Leben, z.B. auf welcher Seite des Zuges sich nun der Ausstieg befindet?