Produzieren wir zu viele Inhalte?

Letzte Nacht erreichte mich in einer WhatsApp-Gruppe das Video eines Kollegen, das er in den USA drehte. Es dauert gut 1 Minute und er gibt uns ein kurzes Update, was er so macht und wie seine Ferien gerade sind, was er am Tag erlebt hat und was er für den nächsten Tag plant.

Jeder ist ein Content-Produzent. Natürlich steigt damit auch die Menge an Inhalten. Auch Unternehmen und Organisationen setzen immer mehr Energie und Ressourcen in die Produktion von Text, Bild und Video. Das erfordert eine neue Fähigkeit, sich selbst bzw. die Organisation in einem immer härter werdenden Kampf um die Aufmerksamkeit darzustellen. Interessant ist die Diskussion, inwiefern man sich diesem Trend entziehen kann. Und wie das die nächste Generation beurteilt bzw. mit dieser gesellschaftlichen Anforderung und dem möglichen Druck der Selbstvermarktung umgeht.

Ja, wir produzieren immer mehr Content. Aber dadurch wird das Publikum nicht zwingend grösser. Im Gegenteil: Wir müssen immer mehr und immer attraktivere Inhalte produzieren, um in unserem Umfeld, bei unseren Zielgruppen, noch gehört zu werden. Stichworte: Facebook-News-Algorithmus, Informationsüberflutung und Kampf um Reichweite. Reisserische Headlines reichen da nur temporär. Richtig gute, relevate Information oder Unterhaltung ist gefragt. Und das ist auch die Herausforderung: Wie erstelle ich welche Inhalte um welche Personen wo zu erreichen um welche Ziele zu erfüllen.

WhatsApp lässt keine Werbung zu und finanziert sich ausschliesslich über bescheidene Beiträge der App. Es geht um eine Kommunikation 1:1, mit Einzelpersonen. Die Beliebtheit von Whatsapp zeigt meines Erachtens eine zukünftige Richtung: Weg von Anzeigen, Werbung, Massenmedien und Push hin zu personalisierten Inhalten, persönlichen Botschaften für kleine Zielgruppen und Pull. Dass dazu mehr Inhalte produziert werden, ist einleuchtend. Natürlich ist noch entscheiden, wie sich die Mediennutzung insgesamt entwickelt.

Ich denke, wir produzieren nicht zu viel Content. Sondern wir konsumieren immer spezifischer auf uns ausgerichteten Content, was die Menge zwangsläufig ansteigen lässt. Wie man persönlich mit diesen Möglichkeiten umgeht, ist dann wieder ein anderes Thema, was @monah diese Woche auch zur Diskussion gestellt hat: