Vergangene Woche war ich in Mailand im McDonalds. Ja, um schnell noch ein Eis zu essen (McFlurry), bevor ich in den Zug nach Zürich gehuscht bin. Während dem Essen ist mir etwas aufgefallen: da sind mehrere Leute mit gleichen T-Shirts rumgelaufen, die aufgeräumt haben. Also Tische sauber gemacht, Tabletts wegegräumt, Boden gereinigt etc. Auf den Shirts stand: “Eagles Service”. Da hat sich bei mir unweigerlich die Frage gestellt:
Warum sind das keine McDonalds-Angestellten?
Natürlich kenne ich die Antwort. Andere Grosskonzerne machen das mit ihrem Reinigungspersonal auch. Sie outsourcen die “Drecksarbeit” an eine externe Firma. Vorteil: diese Firma kann noch schlechtere Löhne zahlen mit noch schlechteren Sozialleistungen dazu. Die Firmen meinen, sich damit aus der sozialen Verantwortung stehlen zu können. Sie stehen besser da (“Nein, wir beschäftigen keine Arbeiter mit einem Lohn von unter Fr. 3000.-”).
Genug Sozialkritik. Als überzeugter Verfechter der freien Marktwirtschaft einige grundlegenden Gedanken dazu:
1. Ja, das Verhalten der Firma finde ich persönlich schlecht. Firmen, die keine anständigen Löhne bezahlen, kritisiere ich. Firmen, die auf dem Buckel der Mitarbeiter sparen, missbillige ich. Da gibt es nichts hinzuzufügen. Ob dies in diesem Fall gegeben ist, ist reine Spekulation, jedoch wahrscheinlich.
2. Die Alternative eines Staatseingriffs ist abzulehnen. Ich behaupte, der Staat kann diese sozialen Probleme noch schlechter lösen als die Marktwirtschaft. Im Gegenteil: er verursacht, wenn stärker in den Arbeitsmarkt eingegriffen wird (z.b. mit Mindestlöhnen) höchstens noch mehr Arbeitslose. Das ist in jedem Fall zu verhindern. Die Beschäftigungspolitik ist und soll primär Sache des Unternehmens sein. Und ja, motivierte, gute und freundliche Mitarbeiter sind ein Wettbewerbsfaktor.
3. Ich bin überzeugt von der 4. Macht im Staat, den Medien. Es ist geradezu ihre Pflicht, solches Verhalten von Firmen anzuprangern. Es ist ihre Pflicht, die Firmen beim Namen zu nennen, öffentlich zur Diskussion aufzufordern, investigativ neue Entwicklungen und Probleme aufzuzeigen. Auch Blogger sollten echten Druck ausüben und in Mitteleuropa noch stärkeres Gewicht erhalten in dieser Frage.
4. Eigenverantwortung: ich bin auch überzeugt von der kontrollierenden Gesellschaft und der Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Glauben Sie mir, ich werde in einem italienischen McDonalds kein Kunde mehr sein. Ich blogge nicht nur darüber, ich erzähle es auch meinen Kollegen und Bekannten (virales Marketing
). Vernichte ich Arbeitsplätze? Vielleicht. Andererseits erhalte ich die Stelle eines Eisdielen-Mitarbeiters, dessen Eis vielleicht etwas teurer ist. Das ist Wettbewerb. Kürzlich habe ich mir sogar einmal überlegt, einem Mitarbeiter einer FastFood-Kette ein Trinkgeld zu geben. Müsste jedoch einmal abklären, ob er es auch behalten dürfte, was ich ja schwer hoffe. Solche Massnahmen sind sicher wirkungsvoller als der Ruf nach mehr Staat.
5. Allgemein finde ich Fast-Food-Buden interessante “Biotope” menschlichen Verhaltens. Ich habe mir schon einige Male überlegt, temporär einen solchen Job anzunehmen. Rein wegen den Erfahrungen, die man machen könnte.
Meine Gedanken sind vielfältig. Ich konnte noch nicht alles in Worte fassen und niederschreiben. Insbesondere Punkt 2-4 würde ich noch gerne genauer und detaillierter begründen. Das Thema wird mich sicher noch weiter beschäftigten.