Oct 27 2005

Ich steh auf China

Das ist nicht als persönliche Aussage gedacht. Ein Dozent hat eine kleine Umfrage zur Herkunft unserer Schuhe gemacht. Das Resultat (von ca. 70 Studenten):
ca. 10%: Europa
ca. 77%: China
übrige 13%: andere, asiatische Staaten

Ca. 90% unserer Schuhe sind also made in asia.


Oct 25 2005

Unter Pendlern…

Seit Montag bin ich neu nicht nur Student. Ich bin auch wieder Pendler. Interessant ist die Tätigkeit des Pendlers. Hierzu eine kurze, subjektive Erhebung von heute morgen (Betrachtung von vier Abteilen im Thurbo zwischen Amriswil und Romanshorn um ca. 0650 Uhr):
70% lesen 20-Minuten
20% lesen sonst etwas sehr Wichtiges
10% beobachten (meine Wenigkeit)

Ich beginne morgen wahrscheinlich auch mit der Pendler-Tätigkeit Nr. 1. Zum Glück dauert meine Zugfahrt länger als 20 Minuten. So bleibt sicher noch Zeit für andere, sinnvolle Tätigkeiten ;-)


Oct 17 2005

Nebelflucht

Gestern Sonntag sind wir vor dem Nebel geflohen. In kürzester Zeit erreichen wir das schöne Appenzellerland. Wir sind von Bühler auf den Gäbris gelaufen. Dabei ist uns eine Grossstadt aufgefallen, nämlich Breitenebnet City. Siehe Bild unten ;-)

gaebris_1
Sicht vom Gäbris

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Breitenebnet City


Oct 15 2005

Mitbewohner besiegt

An einem Morgen haben wir Spuren von “ihm” entdeckt. So sind wir gleich in den Kampf gestiegen und haben nach drei harten Nächten gewonnen. Die ersten beiden Nächte waren wir jedoch klar auf der Verliererseite. Der Mitbewohner hat die Prämie eingesteckt (feinstes Fleisch und Käse [really "mouth-watering" ;-) ]). Doch durch eine Verbesserung und Optimierung der Prozesse haben wir letzte Nacht den endgültigen Sieg errungen:

mousetrap


Oct 14 2005

Unsere Post

Heute war ich wieder einmal auf der Post. Einen Versand für einen Verein kann man schlecht online machen.

Konnte dabei gerade einmal nachfragen, was mit der unzustellbaren Post passiert. Denn das letzte Mal habe ich diese Briefe zurückerhalten, ohne dass sie geöffnet wurden. Ich habe mich da schon gewundert, woher die meine Adresse kennen. Nun ist es so, dass die Briefe an die Poststelle zurück gehen, von der sie abgeschickt wurden. Und die würden dann wissen, wer sie aufgegeben hat (keine Ahnung woher). Es hat das letzte Mal jedenfalls geklappt.

Doch was merkwürdig ist: die Briefe wurden das letzte Mal vom Präsidenten des Vereins in Frauenfeld aufgegeben und kamen zu mir (Post Amriswil) zurück. Heute habe ich (Kassier) die Briefe in Amriswil aufgegeben und nehme an, sie würden auch zu mir (Amriswil) zurück kommen. Warum ich bei der Post registriert bin (und nicht unser Sekretär, der das normalerweise erledigt), weiss ich nicht.

Dann wollte ich wie gewohnt per Karte (EC) bezahlen. Als ich gerade die Karte in das Lesegerät einführen wollte, rief die Pöstlerin, sie würden nur Postcards akzeptieren. Was?? Ja, richtig gehört. Ich müsse nach draussen an den Postomat und dort Bargeld beziehen!! Zum Glück hatte ich den Betrag in Bar auf mir. Doch finde das nicht gerade benutzerfreundlich.


Oct 12 2005

Gräppelensee

Wir sind heute im Obertoggenburg ein wenig gewandert, konkret zum Gräppelensee (Region Unterwasser/Alt St. Johann). Das Wetter war herrlich.

gräppelensee
Der Gräppelensee

blick auf säntis
Blick auf den Säntis

obertoggenburg
Obertoggenburg

Nach einem solchen Tag sehe ich jeweils, warum wir uns Bauern leisten sollten…


Oct 9 2005

25. November: Aldisierung vermindern

Am 25. November stimmen wir über die Änderung des Arbeitsgesetzes ab. SVP, FDP und CVP begrüssen die Vorlage, kirchliche Kreise, Gewerkschaften und die SP bekämpfen sie.

Nationalrat Martin Bäumle (ZH) vertritt im Parlament die Grünliberale Partei. Und sagt Ja zu dieser Revision. In seinem Referat sagt er unter anderem:

Damit wird das Einkaufen auf eine umweltschonende Weise ermöglicht. Die Probleme des grossflächigen Einzelhandels fernab vom OeV und eine Aldisierung der Schweiz können damit vermindert werden.

Interessant, wie immer neue Begriffe kreiert werden. Aldisierung ist einer davon.

Am Ende seines Referats rechnet NR Bäumle gnadenlos mit den Gewerkschaften ab:

Ein gewerkschaftliches Fundi-Nein ist aus Umweltsicht nicht vertretbar.

Eine pragmatische Position, die das Liberale im Parteinamen durchaus rechtfertigt.


Oct 7 2005

Mut und Feigheit

Weisheit des Tages :-)

Mut ist oft Mangel an Einsicht, während Feigheit nicht selten auf guten Informationen beruht.

Peter Ustinov


Oct 4 2005

Betrug!

Am Wochenende habe ich mich mit einem Deutschen unterhalten, der hier etwas spezielle “Ferien” macht. Und zwar ist er in Deutschland offiziell krank geschrieben.

Er hatte mit dem Arbeitgeber Streit. Sie sind zusammen sogar vor Gericht gegangen. Jedenfalls wurde das Arbeitsverhältnis aufgelöst. Und im letzten Arbeitsmonat wollte er zwei Wochen unbezahlten Urlaub nehmen, um anschliessend nochmals zwei Wochen arbeiten zu kommen. Der Arbeitgeber hat abgelehnt. Und nun ist er plötzlich zwei Wochen krank. Er bezeichnet es als eine Art Rache. Wer nicht spurt soll zahlen?

Mir läuft das Ganze zuwider. Zudem finde ich das Verhalten des Arztes, der das Ganze zu Verantworten hat (und weiss, dass sein “Kunde” in Irland ist) skandalös.

Der Lohn während dieser Zeit zahlt der Arbeitgeber. In Deutschland zahlt er meines Wissens die ersten 6 Wochen Krankheit, bis die Versicherung einspringt. Frage mich gerade, ob das in der Schweiz auch möglich wäre. Oder ob sich der Arbeitgeber besser um den kranken Mitarbeiter kümmern würde? Durch eine Nachfrage nach der Gesundheit könnten solche Missbräuche bestimmt verhindert oder aufgedeckt werden. Doch in einem zerrütteten Verhältnis interessiert es den Arbeitgeber vielleicht weniger, wie es seinem Mitarbeiter geht.


Oct 3 2005

Nordirland: Belfast und Derry

Am Wochenende waren wir in den beiden nordirischen Städten Belfast und Derry. Obwohl in den Medien Belfast öfters erwähnt wird, hat Derry eine ebenso bewegte Geschichte. Der 30. Januar 1972 ist beispielsweise als “Bloody Sunday” in die Geschichte eingegangen. Es war ein furchbarer Tag voller Gewalt, er hat 14 Todesopfer gefordert.

Belfast haben wir am Samstag besucht. Mit einem Taxi haben wir eine Tour durch die Stadt gemacht. Die Unterschiede zwischen protestantischen Strassen und katholischen sind meist durch die Flaggen sichtbar, die draussen hängen (protestantisch = pro Britisch, katholisch = pro Irisch). Ein weiterer Unterschied ist die Beschriftung der Strassen. In katholischen Gebieten ist der Name der Strasse meist in zwei Sprachen (englisch und irisch) angeschrieben. Manchmal ist eine Strasse auch zweigeteilt (Anfangs katholisch, danach protestantisch). In der Mitte hat es dann einen Turm mit hochauflösenden Kameras der Polizei. Das sind heikle Stellen, an denen es jeweils Ausschreitungen gegeben hat. Die Gebiete sind auch mit hohen Zäunen getrennt. So sind wir durch eine Strasse gefahren und hinter der einen Häuserreihe sieht man einen hohen Zaun. Gewisse (Quartier)Strassen werden in der Nacht immer noch für den Verkehr geschlossen.

Der Taxifahrer in Belfast hat uns einige Informationen geben können. Zum Zusammenleben meinte er, dass es nicht mehr so schlimm sei. Für ihn spiele das politisch keine Rolle. Zwar seien die Schulen und auch teils Vereine strikt nach Konfession getrennt. Aber sein Sohn habe auch eine katholische Freundin (er ist Protestant). Was bei uns überhaupt kein Thema ist, wird hier zwar nicht zwingend als Hindernis, aber doch als klarer Gegensatz betrachtet.

Murals (Wandmalereien) hat es an sehr vielen Häusern. Und das sind wahrliche Kunstwerke (siehe Gallery). Meist erinnern sie an ermordete Menschen und tragische Schicksale. Sie erinnern auch daran, dass wir hier von einem schrecklichen Krieg sprechen.

Am Sonntag waren wir in Derry. Schon bei der Benennung dieser Stadt gibt man unbewusst eine Information über die eigene Konfession. Denn die Protestanten nennen diese Stadt immer noch Londonderry, wie sie von den Briten im 17. Jahrhundert umbenannt wurde. Während die Katholiken den (offiziellen) Namen Derry verwenden. Von den 115’000 Einwohnern sind ca. 85% Katholiken. Die Stadt ist in zwei Teile, die Westbank und die Ostbank geteilt. In der einen Leben die meisten Katholiken, im anderen Stadtteil hat es einen Anteil von ca. 60% Protestanten. Wie schon erwähnt hat es hier starke Ausschreitungen gegeben, mit den letzten Todesopfern im Jahre 1996. Als die Briten in die Stadt eingedrungen sind, haben sie eine Mauer errichtet. Die Protestanten haben sich dadurch von den Katholiken abgeschottet. Dieser Teil der Stadt liegt auf einem Hügel. Und dort hat es einen grossen Checkpoint der Polizei. Ein riesiger Turm mit hochauflösenden Kameras kann einen grossen Teil der Stadt überwachen, besonders auch die heiklen (katholischen) Gebiete.

Oft liest man an den Wänden von der R-IRA. Damit ist “Real IRA” gemeint. Seit die eigentliche IRA aufgelöst und via Sinn Féin politisch eingebunden wurde, hat sich in der extremistischen Ecke ein Macht-Vakuum gebildet. Die R-IRA will weiterhin mit militanten Mitteln und Gewalt die Briten “vertreiben”.

rira

Unser Führer in Derry ist etwas über 50 Jahre alt und hat den ganzen Konflikt hautnah miterlebt. Er ist Katholik und war bei den wichtigen Märschen stets dabei. Er hat uns erzählt, wie sie an diesem verhängnisvollen 30. Januar 1972 aus der Kirche gekommen seien und draussen die britische Armee gewartet habe. Ein eindrückliches Mural zeigt die Porträts der 14 Todesopfer von diesem Sonntag (siehe Gallery). Besonders bewegend ist das Alter, 6 davon waren 17 Jahre alt, der älteste 59. Auch hat es einmal einen Fall gegeben, bei dem ein 15 Jähriger Junge von der britischen Armee erschossen wurde. Auch hier erinnert ein Mural daran. Unser Führer hat viele der Toten gekannt. Er hat uns erzählt, wo wieviele Menschen gestorben sind, und mit welchen er zur Schule gegangen ist oder welches gute Kollegen waren.

Was für Nordirland das Beste wäre, da gehen die Meinungen auseinander. Der Taxifahrer in Belfast meinte, weder die Briten noch die Iren mögen die Nordiren. Am Besten würden sie eine eigene, unabhängige Nation gründen. Meine Hostmum meinte, eine Vereinigung wäre das Beste (eine Insel, eine Nation). Einer meiner Lehrer denkt, dass dies eine Illusion sei. Der ganze Konflikt dauert nun beinahe 800 Jahre und sei zu tief verwurzelt in den Menschen. Die Briten, die seit Generationen in Nordirland leben, würden sich dagegen wehren.

Auch habe ich das Gefühl, dass die Religion nicht die wirkliche Ursache des Konflikts ist. Es ist einfach das einzige Merkmal, das die Leute hier voneinander unterscheidet. Kaum vorstellbar für uns, dass ein solcher Konflikt im 21. Jahrhundert in Europa noch existiert.