Aug 30 2005

Ireland: Trip vom Samstag

  • Ladenöffnungszeiten: sind sehr liberal. Es kann auch am Sonntag gearbeitet werden. Die Läden haben teils auch offen. Nachteil: man weiss nicht immer sicher, wer jetzt wie lange offen hat. Dafür haben die Geschäfte grösste Freiheit.
  • Burren: eine berühmte Gegend in Irland. Wir sind am Samstag daran vorbeigefahren. 95% der Bevölkerung dort ist katholisch. Und einen öffentlichen Verkehr gibt es dort nicht. Ohne Auto ist man also ziemlich verlassen bzw. kommt nicht so leicht dort hin. Aber die Landschaft ist genial.
  • burren

  • Cliffs of Moher: waren wir ebenfalls am Samstag. Eine eindrückliche Gegend. Die Klippen waren überhaupt nicht abgesperrt. So konnte man wirklich bis an den Rand gehen und sich auch hinlegen und über die Klippen hinunterschauen. Dabei sind einige Fotos entstanden.
  • cliffs of moher

  • Irischer Humor: letzte Woche ist im Bekanntenkreis meiner Hostfamily ein kleiner Joke herumgegangen. Und zwar hat Catherine (Hostmum) von einer Kollegin ein SMS erhalten mit der Meldung, dass ein Anbieter 1000 Mobiltelefone verschenke, um eine neue Funktion im Mobilfunk-Netz zu testen. Man müsse nur eine Gratisnummer anrufen. Jedenfalls hat sie das SMS an alle in ihrem Adressbuch weitergeleitet. Es hat sich dann herausgestellt, dass das eine Nummer einer Beratungsstelle für Errektionsstörungen ist. Den ganzen Abend hat das Telefon geläutet und die “verarschten” haben ihre Erlebnisse berichtet. Und alle fanden das seeeehr lustig ;-) (Der Callcenter-Mitarbeiter auf der anderen Seite vielleicht weniger).
  • “Irische” Minuten: so wahnsinnig genau nimmt man es mit der Zeit hier nicht. Der Busfahrer am Samstag hat jeweils von 10 “irischen Minuten” gesprochen, bis es weiter geht. Das bedeute, dass er uns am anderen Tag abholen komme. Es wurden dann 27 Schweizer Minuten daraus;-) Vorgestern Sonntag hatte mein Bus auch 30 Minuten Verspätung. Wenn man noch die 20 Minuten dazu rechnet, die ich zu früh an der Busstation war, hatte ich eine Wartezeit von 50 Minuten. Aber eben, am Sonntag nicht so tragisch.
  • Schulbeginn: ist am 1. September (ja, richtig gelesen). Und zwar haben die Schüler hier 2 Monate (Juli und August) Sommerferien. Und einige Schulen würden Wert darauf legen, dass der Schulbeginn traditionsgemäss am 1. September erfolgt. In diesem Jahr halt ein Donnerstag.
  • Japaner zum Ersten: am Freitag hatte ich das Vergnügen mit einem japanischen Windows. Und zwar wollte eine Schülerin das Wireless-LAN benutzen, Windows war aber für irgend einen Dial-In-Service konfiguriert. Ich musste mich jedenfalls blind durch die Menüs hangeln. Und mit dem Übersetzen der Meldungen ins Englische hat es auch etwas gehappert. Doch schlussendlich haben wir die Verbindung hingekriegt.
  • Japaner zum Zweiten: Am Freitag Abend bin ich noch in eine peinliche Falle getappt. Und zwar wurde ich gefragt, wie mir die Lektionen gefallen. Jedenfalls habe ich dann im Verlauf des Gesprächs die “falsche” Frage gestellt, in welcher Klasse sie sei. Hat sich herausgestellt, dass wir in der selben sind ;-) Mit der Unterscheidung der Asiaten habe ich manchmal noch etwas Mühe.
  • Celtic Football: was wäre Irland, wenn es nicht noch ein spezielles Fussball gäbe. Neben Hurling DIE irische Sportart. Die beiden Spiele sind sich, abgesehen von der Ballgrösse, aber ziemlich ähnlich. Man hat hier einfach einen Fussball, kann diesen aber auch für eine gewisse Zeit in die Hände nehmen. Und die Bälle können auch hoch über das Tor geschossen werden (was Punkte bringt). Wahrscheinlich schaffen es die Iren einfach nicht, ein Spiel zu spielen, ohne den Ball in die Hände zu nehmen. Doch “richiger” Fussball (Soccer) soll auch noch recht populär sein.

Wurde wieder einmal ein langes Posting. Weitere Bilder zum Trip vom Samstag (Burren, Cliffs of Moher) sind in der Gallery (http://www.thge.ch/gallery).


Aug 26 2005

Ireland: Volksnähe

  • Heute in der Zeitung gesehen: Inserate von Politikern, die ein sog. “Constituency Office” haben. Das heisst: der besorgte Bürger kann dort vorbeigehen und etwas mit dem Parlamentarier plaudern, seine Sörgeli erzählen etc.. Eine andere Art von Volksnähe? Meine Hostmum meinte, es sei Zeitverschwendung. Ausserdem seien die meisten Politiker korrupt und würden nur auf ihre eigenen Taschen schauen. Dasselbe hat heute auch einer unserer Lehrer behauptet. Die Unzufriedenheit scheint gross zu sein. Muss mir eine eigene Meinung machen. Weiss nicht, ob es wirklich so schlimm ist. Lese aber jetzt erstmal ein Buch darüber (gestern in der schuleigenen Bibliothek ausgeliehen: “Irish Government Today”)
  • volksnahe politiker
    Die Politiker schalten Inserate mit der Information, wann man sie wo besuchen kann.

  • Wettbewerbsfähigkeit: trotz gutem Wirtschaftswachstum scheint Irland bereits wieder an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der letzten Jahren eingebüsst zu haben. Habe diese Woche gehört, dass Quantum (ein Festplattenhersteller) die Produktion aus Kostengründen von Irland nach Osteuropa verlagert.
  • Don’t join the EU” ist etwa der häufigste Ratschlag, den man als Schweizer bekommt. Diese Woche ist es einem Lehrer herausgerutscht, als wir gerade über das Leben in Irland gesprochen haben. Scherzeshalber hat er anschliessend seinen Kopf demonstrativ zur einzigen Japanerin in unserer Klasse geneigt (mit den Worten: gilt auch für Japan) :-) Ein anderer Schweizer hat diesen Spruch bereits am ersten Abend zu hören gekriegt.
  • Strassenwerbung: wird teils auf eine seltsame Art gemacht. Und zwar stehen diese Leute (wahrscheinlich meist Studenten) auf der Strasse und haben ein Schild auf dem Rücken montiert. Manchmal stellt das Schild auch einen Wegweiser dar. Jedenfalls liest der “Werbeträger” (wortwörtlich gemeint) meist ein Buch oder überbrückt die Langweile sonst irgendwie.
  • strassenwerbung

  • Die älteren Iren sind sehr religiös. Das merkt man noch Mittags um 12 und Abends um 6. Dann läuten im Radio die Kirchenglocken und es kann das Gebet gesprochen werden. Aufmerksam wurde ich auf diese Besonderheit am Fernsehen. Denn dort haben sie dasselbe abends um 6 auch. Man hört die Glocken läuten (mit einigen beruhigenden Landschaftsbildern begleitet), anschliessend beginnen die Nachrichten.
  • Obwohl ich einem generellen Rauchverbot seitens der Regierung ablehnend gegenüber stehe, hat es (subjektiv gesehen) schon seine guten Seiten. Zum Beispiel wenn man im Pub sitzt, etwas trinkt, der Live-Music zuhört und dabei überhaupt nicht geraucht wird, beginnt man dies zu schätzen. Man könnte sich gut daran gewöhnen :-)

Am Samstag steht wieder einen Ausflug an. Wir gehen berühmte Klippen besichtigen (wieder von der Schule organisiert).

PS: Sorry für das Bild mit den Inseraten. Aber mangels Scanner musste die Digicam herhalten :-)


Aug 24 2005

Jetzt Steuern senken!

Die SVP und FDP hatten am Wochenende ihre Delegiertenversammlungen. Beide Parteien wollen sich für ein Senken der Steuern stark machen. Nun müssen nur noch die Taten folgen. Denn zusammen würde dieser bürgerliche Schulterschluss bestimmt einiges erreichen. Es ist zu hoffen, dass bei der FDP die Forderungen konsequent weiterverfolgt werden. Bei der SVP habe ich da weniger Zweifel.

Wenn ich das 10-Punkte-Programm der SVP betrachte, stimmt die Richtung. Das sind Forderungen, die verwirklicht werden müssten. Dazu gehört: konsequenter Schuldenabbau, Steuersenkungen (inklusive keine Steuererhöhungen), Abschaffung des Verbandsbeschwerderechts, Ausbau der Strassen-Infrastruktur etc.

Wir müssen den Mut aufbringen, auch unpopuläre Entscheidungen zu fällen. Dazu muss, nach jahrelangem Ausbau des Staates, auch ein Abbau (Klartext, so hart es tönt: Leistungsabbau) betrieben werden. Leider ist das für ein Wahlprogramm nicht gerade ein förderndes Argument. Dafür umso ehrlicher, wenn wir die Lage in unserem Staat betrachten.

Zu empfehlen ist der Pressedienst der SVP von dieser Woche. Das Referat von Caspar Baader (eine Art Bestandesaufnahme) ist wirklich stark (Links am Schluss). Auch die Texte von Peter Spuhler und Hansruedi Wandfluh (beides exportorientierte SVP-Unternehmer) sind absolut lesenswert.

Ich habe da unter anderem von einer Studie gelesen, die besagt, dass eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1% bis zu 15’000 Arbeitsplätze vernichten würde.

Links:
Referat Caspar Baader
Referat Peter Spuhler
Referat Hansruedi Wandfluh


Aug 23 2005

Ireland: Inseln und Hurling

Wieder einige Punkte, über die man je einen eigenen Blog-Eintrag machen könnte. Hier zusammenfassend:

  • Postleitzahlen: gibt es nicht. Meine Hostmum meinte, sie seien ein so kleines Land und da bräuchten sie das nicht. Die Einführung werde zwar diskutiert, aber das sei nicht nötig.
  • Dave: mein Hostfather arbeitet im Textilgrosshandel (er hat eine eigene Firma). Das heisst, er verkauft Textilien an Shops. Er ist (neben mir) der einzige, der um 0730 wach ist ;-) Was noch besonders ist: Das Morgenessen nimmt er im Stehen ein, so zwischen Tür und Angel. Dass dazu der TV läuft (BBC News) dürfte klar sein.
  • Aran-Islands: das Wetter war super (Samstag). Wir haben auf der Insel (auf der grössten der drei) ein Bike gemietet. Brian (Hostbrother) sagte zwar, wir sollten unbedingt dort übernachten, um “the real irish life” zu erleben. Doch der Trip war von der Schule organisiert und dauerte nur einen Tag. Die Natur war übrigens sehr beeindruckend (siehe Pic). Weitere Bilder sind in der neu erstellen Gallery zu finden (Link befindet sich rechts in der Navigation unter dem Punkt Pages -> Misc). Oder unter http://www.thge.ch/gallery
  • aran island

  • Linksverkehr: auf den Aran-Islands das erste Mal wirklich erlebt, mit dem Bike. Es passiert dabei relativ schnell, dass man auf der rechten Seite fährt (besonders, da es wenig Verkehr hatte). Wenn dann plötzlich jemand entgegen kommt, ist Vorsicht angesagt. Dann käme da noch der Linksvortritt ins Spiel, und das ist schon eine grosse Umstellung der Gewohnheit. Das Problem waren zudem die vielen Touristen. Die Hälfte davon fuhr auch rechts.
  • Die Welt ist manchmal klein. Am Freitag ist mir jemand irgendwie bekannt vor gekommen. Es hat sich dann relativ schnell herausgestellt, dass er im Vorstand der JSVP AI mitarbeitet und hier in die selbe Schule geht.
  • Hurling: so heisst DER irische Nationalsport. Wir kennen das game nicht. Es wird auf dem Rasen gespielt, und es hat auf jeder Seite ein Tor, in das der Ball fallen sollte. Das gibt 3 Punkte. Eine weitere Möglichkeit ist, den Ball über das Tor hinweg zu spielen (Höhe glaube ich egal). Das gibt 1 Punkt. Dazu sind die vertikalen Pfosten des Tors weit in den Himmel verlängert worden. Gespielt wird mit einem Schläger (ähnlich Hockey). Der Ball darf jedoch für eine bestimmte Zeit auch in die Hand genommen werden. Checks mit der Schulter sind erlaubt. Es ist ein schnelles und auch zum Zuschauen sehr interessantes Spiel. Am Sonntag hat Galway in der nationalen Meisterschaft Kilkenny besiegt, was Finaleinzug bedeutet. Im September findet das Finalspiel gegen Cork statt.

Aug 21 2005

Ireland: Überwachung total

Was mir in Irland auffällt ist die permanente Überwachung. Sei es im Bus, im Theater, im Pub/Restaurant, in der Schule, überall sind Kameras installiert.

Gestern im SuperMacs (Irlands McDonalds) habe ich, ohne mich zu bewegen, 4 Kameras entdeckt. Jeder Winkel ist überwacht. Auch die Schaufenster und Eingänge von Pubs sind alle mit cameras überwacht:

cam supermacs

cam pub

Ich kenne zwar die Datenschutzgesetze von Irland nicht, aber ich hoffe einmal, es gibt hier angemessene Regelungen was die Speicherung und Verwendung solcher Viedeodaten betrifft.


Aug 19 2005

Ireland: Weekly summary

Die Zeit in dieser Woche verging wie im Fluge. Habe mich gut eingelebt. Auch an die irische Küche habe ich mich gewöhnt, die von Tag zu Tag besser wird (vielleicht liegt es auch an der Köchin) ;-)

  • Walking ist sehr populär bei den irischen Frauen. Gestern abend bin ich der Küste entlang nach Hause gelaufen. Und da sind mir Scharen von walkenden (=schnell gehenden) Frauen entgegen gekommen (erstaunlicherweise überhaupt keine Männer). Dabei gibt es zwei Arten davon: entweder alleine mit mobiler Musik (Discman, MP3-Player) oder in Gruppen mit einem grossen “Geschwätz”.
  • Wer “das Geschäft” seines Hundes nicht mit nach Hause nimmt, zahlt €1900.
  • Ein grosses Thema waren diese Woche die Abschlüsse der Mittelschulen (ist so etwas ähnliches wie bei uns die Matura, aber die Absolventen sind ca. 18). Jedenfalls bekommen sie eine gewisse Anzahl Punkte. Und je nach Studium benötigen sie eine gewisse Anzahl davon (Medizin beispielsweise fast das Maximum). Und da die Abschlüsse in diesem Jahr überdurchschnittlich gut sind, werden nun die Punkte generell angehoben. So ist mein Hostbrother immer noch am zittern, ob er sein Wirtschaftsstudium beginnen kann. Er hat 10 Punkte Reserve.
  • Irisch: alle Schüler müssen diese Sprache in der Schule lernen (obligatorisch). Aber die Iren hassen diese Sprache regelrecht. Ok, es gibt Ausnahmen. Aber es wird schon lieber Englisch gesprochen. Zwar sind die Schilder immer noch zweisprachig angeschrieben, doch die Sprache scheint am Aussterben zu sein. Ach ja, die Abkürzung für einen Parlamentarier (=TD) hat auch noch einen keltischen Ursprung. Doch die meisten wissen nicht einmal, für was TD steht (in England ist das mit MP [=Member of parliament] ja klar).

Soweit, so gut. Hoffe, dass ich am Wochenende noch einen Internetzugang finde. Am Samstag bin ich den ganzen Tag weg. Wir besuchen die berühmte Inseln, die vor Galway liegen (sog. Aran-Island).


Aug 16 2005

Welcome in Ireland

Nun bin ich bereits den zweiten Tag in Irland. Und da werde ich für die nächsten 2 Monate auch bleiben. Gestern war ein kleines Ziel, eine Internetverbindung zu finden. Und da habe ich erfahren, dass es an unserer Schule ein frei verfügbares Wireless-LAN-Netz gibt. Wer die Computer der Schule verwendet hat pro Woche 1h Guthaben. Man bekommt einen Account und kann eine Stunde damit arbeiten (inkl Internet). Sonst zahlt man €1 für jede weitere halbe Stunde. Mit dem eigenen Laptop hat man unbeschränkte, kostenlose Möglichkeiten :-)

Kurz zu ersten Erfahrungen/Erlebnissen:

  • Beim Busfahrer will ich ein Ticket nach Galway kaufen. Bereits komme ich das erste Mal mit dem irischen Dialekt in Kontakt. Bei seinem “ediöro”, das extrem schnell gesprochen wird, muss ich 2 mal nachfragen, bis ich es verstehe (€18).
  • Verkehr zum Ersten: natürlich links. Immer wieder ein Umgewöhnen. Das heisst, beim Überqueren von Strassen zuerst rechts zu schauen und erst dann los zu laufen (normalerweise sind wir ja bereits halb in der Strasse wenn wir auf die andere Seite schauen, was gefährlich werden kann).
  • Verkehr zum Zweiten: in Dublin habe ich ein innovatives Lichtsignal entdeckt. Mit einem Countdown, wie lange es noch dauert, bis es grün wird. Rein psychologisch sicher wertvoller als ein oranges Licht (siehe Bild).
  • lichtsignal in dublin

  • Rauchverbot: Irland hat eine hartes Rauchverbot. Nur in den eigenen vier Wänden und auf der Strasse darf geraucht werden. Auch die Pubs sind komplett rauchfrei. Die Raucher müssen extra auf die Strasse um zu rauchen. Die Pubs sind übrigens noch recht cool, hat viele mit Live-Music am Abend (einheimische Rockbands, Coverbands, traditionelle irische Musik). By the way: ein Päckli Zigaretten kostet €6.40, also knappe Fr. 10.-.
  • Hier in Galway sind sie ziemlich stolz auf ihr (Meer-)Wasser. Als ich fragte, ob das Wasser vom Hahnen trinkbar sei, meinte meine Hostmum, es sei das Beste Wasser in der Region und wirklich gut. Nach dem ersten Schluck hatte ich dann diesen Chlor/Chemie-Geschmack im Mund. Was würde sie zu unserem Bodensee-Wasser sagen? Das Beste der Welt? Nunja, Hauptsache trinkbar und nicht tödlich ;-) .
  • Noch eine persönliche Beobachtung: Alle meinen, ich sei ein Spanier. Wenn es gut kommt bzw. die zweite Antwort ist dann meist Italiener.
  • Irland hat ein Wirtschaftswachstum von 5%. Und gestern habe ich in der lokalen Zeitung einen Artikel darüber gelesen. Die Aussage: das sei gar nicht soo gut, der “Celtig Tiger” (gemeint ist die irische Wirtschaft) sei noch nicht zurück. Im europäischen Vergleich zwar schon, aber verglichen mit der Hausse Ende der 90er sei das ein “Mini-Boom”. Der Autor erklärte dann die Unterschiede (Verhalten von Arbeitgeber/Arbeitnehmer/Headhunter etc.), erwähnte aber, dass weiterhin in allen Sektoren Arbeitsplätze frei seien. In der Schweiz wären wir jedenfalls mit der Hälfte dieses Wachstums schon mehr als zufrieden (die Presse jubelt ja schon, wenn Bundesrat Merz von 2% spricht, aus denen dann real 0%-0.5% werden).
  • Eine weitere, politische Aktualität ist das sog. “Rossport five”. Diese beiden Worte beschreiben ein Grundstück, auf dem ein Bauer Widerstand gegen den grossen Ölkonzern Shell leistet. Und zwar will Shell eine Pipeline durch sein Grundstück bauen, was dieser nicht so eine gute Idee findet. Am Samstag findet eine Ralley statt (Demonstration durch verschiedene Städte), die auch in Galway halt macht. Es ist eine “Demonstration für Gerechtigkeit”, wie die Organisatoren auf ihren Flugblättern schreiben. Merkwürdig: ich sehe diese Plakate immer irgendwo (z.B. Strassenlampe), und wenn ich einige Stunden später wieder daran vorbei gehe, sind die Plakate weg.
  • Allgemein kann ich sagen: es gefällt mir. Man kann viel lernen. Die politische Lage habe ich noch nicht ganz durchschaut. Beispielsweise habe ich einen Leserbrief gelesen, in dem von mangelnder Demokratie gesprochen wird, was ich mir zurzeit noch nicht erklären kann.

Aug 13 2005

Kleinigkeiten

Vor einer Woche habe ich in St. Moritz einen Mercedes-Fahrer beobachtet, der sein Wagen mit Fr. 1.68.- teurem Bleifrei 95 betankt hat. Erstens: Was muss geschehen, dass einem solche Kleinigkeiten egal werden? Zweitens: Spielt hier der Markt zu wenig, dass die Preise derart teuer sind? Oder gibt es keine Nachfrage nach günstigerem Benzin?

tanken

Der Benzinpreis war zu diesem Zeitpunkt in unserer Gegend ca. Fr. 1.53.-.


Aug 12 2005

Anstand und Moral

Ausgangslage ist eine Szene im Zug, wobei eine Gruppe von Leuten laut Musik hört. Andere Leute wollen im Zug lesen, sie fühlen sich gestört durch die Musik. Warum haben Menschen Respekt und Anstand, warum nehmen sie Rücksicht? Was ist die Motivation dazu? Denn im Grunde genommen hat man, rein egoistisch und subjektiv gesehen, nichts davon.

Erstens ist es sicher das Abwenden von Streit. Die meisten Leute haben keine Lust, über solche Banalitäten zu streiten. Zweitens ist es die stillschweigende Annahme, dass sich der Gegenüber in einer ähnlichen Situation ebenfalls rücksichtsvoll verhalten würde. Es ist die Hoffnung, dass der Gegenüber ebenfalls eine für beide akzeptable Lösung suchen würde. Zusammengefasst: nur wenn wir einen gewissen Grad an Respekt, Anstand und Rücksichtnahme an den Tag legen, ist ein friedliches Zusammenleben möglich. Und nur so können wir davon ausgehen, dass der andere in einer solchen Situation auch Verständnisvoll reagieren würde, also wir vom gegenseitigen Verständnis profitieren könnten. Soviel zur “meiner” Theorie.

Leider hat die beschriebene Situation in einem Streitgespräch über eben diese Werte und Fragen gemündet. Wer soll jetzt auf wen Rücksicht nehmen? Die Musiker auf die Leser oder gar umgekehrt? Jedenfalls bringt das Diskutieren über Anstand und Moral in dieser Situation wenig. Ein Kompromiss muss her. Oder, wie im beschriebenen Fall geschehen, es setzt sich eine Extremposition (Musiker) durch. Nun hoffe ich, ich habe hier einen Einzelfall beobachtet. Denn wenn diese Werte und Ansichten verloren gehen, wird unser Zusammenleben sicher erschwert.

PS: Beim weiteren Nachdenken über die Situation stosse ich auf ein Gedankenspiel: was wäre, wenn die Stille ebenfalls ein produzierbares Geräusch wäre? Und wir damit anderen “Lärm” übertönen könnten?


Aug 7 2005

1. August zum Zweiten

Am 1. August wurde auf dem Rütli eine Bundesfeier abgehalten. Die Rechtsextremen haben Bundespräsident Schmid mehrmals bei seiner Rede unterbrochen. Von Respekt keine Spur. Parolen wie “Wer hat uns verraten, die Scheissdemokraten” zeigen, aus welcher Ecke diese Leute kommen. Sie wollen die Demokratie abschaffen. Meinungen, die nicht genehm sind, wollen sie unterdrücken. Nun, der grosse Aufschrei der Medien ist nicht ausgeblieben. Wie soll man reagieren? Denn Anlass abschaffen? Zutrittskontrollen einrichten? Meines Erachtens die falsche Reaktion. Die Versammlungsfreiheit und Meinungsfreiheit gehören zu den wichtigsten Grundrechten. Sie sollen geschützt sein. Wenn man diese Einschränken will, wird es gefährlich. Wenn man entscheidet, welche Meinung man zulassen will, beginnt man mit gefährlichen Wertungen. Oder man beurteilt Personen nach dem Äusseren (Rechtsextreme), was sicher auch falsch ist. Es darf nicht soweit kommen, dass wir Angst vor anderen Meinungen haben und diese mit Verboten bekämpfen wollen. Es bleibt das Vertrauen in den mündigen Bürger, diesen Leuten nicht zu viel Macht zu geben. Und das eigene Nutzen der Meinungsfreiheit zur Information und Aufklärung über die Absichten und Zielen dieser Personen.

Zu erwähnen ist auch die Berichterstattung zur linken Demonstration in Luzern (20 Minuten). Den Agenturen war das ein einziger Satz wert:

“Derweil demonstrierten rund 800 Linksextreme legal in Luzern und verschmierten 50 Fassaden”.

Den Unterschied zwischen Beschädigung fremdem Eigentums und dem Verhalten der Rechtsextremen ist für mich nicht relevant.

Apropos: wer ist für die Reinigung der Strassen zuständig?

strasse